Bier auf Wein, das lass sein? Wein-Mythen entzaubert

ist Wein auch für Sie ein magisches Thema, das Sie immer wieder in neue Welten entführt? Der Spruch Man lernt nie austrifft hier doch wirklich zu. Nicht nur der Geschmack verschiedener Weine ist sehr fassettenreich. Auch das Drumherum hat viel zu bieten. Einige vermeintliche Fakten begegnen uns immer wieder. Aber was ist eigentlich dran?

09.02.2020
  • Lesezeit ca. 3:30 Minuten
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  • 09.02.2020
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Weinflasche
© Markus Spiske temporausch.com/www.pexels.com

Wein hat eine lange Tradition und begleitet die Menschen schon seit Jahrtausenden. Kein Wunder, dass sich um das Thema so viele Mythen ranken. Einige davon halten sich wacker, obwohl es sich oft nur um Halbwahrheiten oder Irrtümer handelt. Dem Hokuspokus von 8 Wein-Mythen geht es heute an den Kragen. Hätten Sie zum Beispiel gewusst, was es mit der Redewendung Bier auf Wein, das lass sein – Wein auf Bier, das rat ich dir wirklich auf sich hat?

1. Der Wein kann atmen, sobald die Flasche geöffnet ist

Bei dieser Annahme handelt es sich zumindest teilweise um ein Luftschloss. Denn damit der Wein wirklich atmen kann, müssen Sie ihn dekantieren, zum Beispiel in einer entsprechenden Karaffe. Wenn Sie lediglich die Flasche öffnen, ist die Oberfläche zu klein. Aber Achtung: Nicht jeder Wein will unbedingt atmen. Alte Rotweine vertragen oft keine starke Luftzufuhr.

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2. Weine werden mit dem Alter besser

Auf einige Weine trifft das zu. Ihr Geschmack wird tatsächlich umso bezaubernder, je älter sie sind. Bei den meisten heutzutage produzierten Weinen wirkt dieser Zauber jedoch nicht. Sie profitieren nicht von einer längeren Lagerung und sollten deshalb innerhalb von drei bis fünf Jahren verzehrt werden. Grundsätzlich gilt, dass Weine mit hohem Säure,- Tannin-, Alkohol- und Schwefelgehalt länger gelagert werden können. Beim Rotwein empfehlen sich tanninreiche Sorten, während beim Weißwein eher der Säuregehalt ausschlaggebend ist.

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3. Rotwein trinkt man bei Zimmertemperatur

Diese Aussage kommt vielen Laien schnell über die Lippen. Doch es handelt sich um einen Mythos, der eine kalte Dusche vertragen kann. Er stammt aus wilhelminischer Zeit, in der die durchschnittliche Raumtemperatur viel niedriger war als heute. In unbeheizten Speiseräumen herrschten durchschnittlich 16 bis 18 Grad. Heute sind die meisten Räume deutlich wärmer, die ideale Trinktemperatur für Rotwein ist jedoch nicht gestiegen. Der Begriff Zimmertemperatur ist zu dehnbar, um als Richtwert gelten zu können. Wenn sich Ihre Wohnung im Sommer auf 26 Grad aufheizt, trinken Sie dann auch Ihren Wein so warm? Sicherlich nicht. Denn die richtige Temperatur für Rotwein liegt nach wie vor zwischen 16 und 18 Grad – bei leichteren Weinen darf es auch etwas kühler sein.

4. Rote Trauben für Rotwein, grüne Trauben für Weißwein

Diese Fa(r)belgeschichte zu glauben, liegt nahe. Doch die Realität sieht anders aus: Für Weißweine und Rotweine können durchaus Rebsorten der anderen Farbe verwendet werden. Natürlich gibt es Rebsorten, deren Saft rote Anteile hat, so zum Beispiel Dornfelder oder Cabernet Mitos. Meistens ist der Saft roter Trauben allerdings weiß. Die Färbung kommt erst aus den Traubenschalen. Wenn der Saft mit ihnen vergoren wird, also auf der Maische liegt, geben die Schalen Farbstoffe, Aromen und Gerbstoffe ab. Champagner entsteht zum Beispiel aus den roten Sorten Pinot Noir, Pinot Meunier und weißem Chardonnay.

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5. Schraubverschlüsse sind für Billigweine

Soweit die Erdichtung zur Verdichtung von Weinflaschen. Dass guter Wein grundsätzlich mit einem Korken verschlossen wird, stimmt nicht. Schraubverschlüsse sind auch für hochwertige Weine geeignet. Denn einen Großteil aller Weine trinkt man innerhalb von drei bis fünf Jahren, weshalb für sie ein Korkenverschluss nicht notwendig ist. Der Schraubverschluss ist günstiger, praktischer und dichter.

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6. Teure Weine schmecken am besten

Auf die Frage, ob ein teurer Wein besser schmeckt als ein günstiger, gibt es keine allgemeingültige Antwort. Oft lässt sich feststellen, dass das Preis-Leistungs-Verhältnis sich verschlechtert, je teurer der Wein ist. Hier zahlen Sie oft für Markennahmen und Etiketten drauf. Forscher haben herausgefunden, dass es beim Weingenuss zum sogenannten Placebo-Effekt kommen kann. Das Belohnungssystem im Gehirn wird demnach bei höheren Preisen stärker aktiviert, wodurch ein und derselbe Wein besser schmecken kann, wenn er mehr kostet.

7. Das Kirchenfenster gibt Einblick in die Qualität

Das sogenannte Kirchenfenster entsteht, wenn Sie ein Glas ca. bis zu einem Drittel mit Wein füllen, es leicht schräg halten oder schwenken und der Wein am Rand des Glases zurückfließt. Anhand der dadurch entstehenden Formen lassen sich Rückschlüsse auf die Viskosität (Zähflüssigkeit) des Weins ziehen. Diese deutet aber nicht direkt auf die Qualität hin, sondern lediglich auf Zucker- und Alkoholgehalt.

8. Bier auf Wein, das lass sein

Ein Spruch, der nur zu gern bei Festen und Trinkgelagen in den Raum geworfen wird. Wein auf Bier, das rat ich dir – Bier auf Wein, das lass sein. Wie es sich für einen waschechten Mythos gehört, geht er auf einen historischen Hintergrund zurück. Im Mittelalter war einfachen Menschen nur der Genuss von Bier vergönnt. Teurer Wein war den Reichen vorbehalten. Wer es sich leisten konnte, irgendwann Wein statt Bier zu trinken, hatte einen sozialen Aufstieg erreicht. Wein auf Bier steht demnach für eine positive Entwicklung. Konnte man statt teurem Wein hingegen nur noch billiges Bier trinken, deutete das auf einen Statusverlust hin. Deshalb: Bier auf Wein, das lass sein. Mit Kopfschmerzen hat dieser Rat nichts zu tun. Wer zu viel Alkohol (durcheinander) trinkt, mutet seinem Körper einfach eine Menge Arbeit mit dem Abbau der Giftstoffe zu. Die Reihenfolge spielt dabei keine Rolle.


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