Eiswein 2019: Jahrgang ist „absolute Rarität“

Eiswein ist eine Rarität, der Weinliebhaber Jahr für Jahr entgegenfiebern. Die Herstellung ist aufwendig und riskant, der Preis deshalb hoch. Und der Genuss noch höher. Doch die globale Erwärmung macht es Winzern schwer – 2019 wäre um ein Haar der erste Jahrgang gewesen, in dem kein einziger Tropfen Eiswein in Deutschland hergestellt werden konnte.

07.06.2020
  • Lesezeit ca. 2 Minuten
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  • 07.06.2020
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Weinreben im Winter
© Stastny_Pavel/www.shutterstock.com

Anfang des Jahres schien die Verzweiflung um den Eiswein groß: Das Deutsche Weininstitut (DWI) gab bekannt, dass es aus dem Jahrgang 2019 keinen deutschen Eiswein geben würde. Die Traubenlese sei bundesweit ausgefallen. Ein historisches Ereignis, das zweifellos von der globalen Erwärmung verursacht wurde. Denn um Eiswein herstellen zu können, müssen Temperaturen von mindestens -7 °C erreicht werden.

Schon in den vergangenen Jahren waren die Bedingungen für die Eisweinlese alles andere als ideal. Oft lief es für einen Großteil der Winzer so schlecht, dass Eisweine aus bestimmten Jahrgängen zu einer echten Seltenheit geworden sind. 2019 ist nun einer dieser Jahrgänge – nur 4 deutschen Erzeugern ist es gelungen, Eiswein herzustellen.

Wo es 2019er Eiswein aus Deutschland gibt

Laut Angaben des Deutschen Weininstituts konnten vom Jahrgang 2019 nur folgende Erzeuger Eiswein ernten:

  • Weingut Zimmerle aus Remstal, am 22. Januar 2020 bei -8 °C, Sorte: Riesling
  • Sasbacher Winzerkeller aus Baden am Kaiserstuhl, am 05. Dezember 2019
  • Winzer eG Herrenberg-Honigsäckel aus Bad-Dürkheim-Ungstein, Sorte: Riesling
  • Weingut Annenhof aus Sprendlingen, Sorte: Silvaner

Aus allen 13 deutschen Weinbaugebieten sei darüber hinaus kein weiterer Erzeuger bekannt, dem die Herstellung von Eiswein gelungen sei.



Milde Winter sorgen schon lange für Probleme

Schon in den vergangenen Jahren waren die Voraussetzungen für die Eiswein-Produktion zunehmend schwierig. Vom 2013er Jahrgang sind dem DWI nur insgesamt 8 Erzeuger bekannt, die Eiswein produzieren konnten. Auch der 2014er Jahrgang sei eine absolute Rarität. Zuletzt konnten vom 2017er Jahrgang nur sieben Erzeuger Eiswein herstellen: „drei in Württemberg, drei in Saale-Unstrut und einer – am 1. März 2018 – in Baden.“

Warum genau die Herstellung von Eiswein so schwierig ist, lesen Sie in unserem Artikel Eiswein: Das Meisterstück nördlicher Winzer

Müssen deutsche Winzer umdenken?

Da die Herstellung von Eiswein an schwierige Bedingungen geknüpft ist und nur in nördlichen Regionen überhaupt gelingen kann, hat der edle Tropfen nur einen geringen Anteil an der gesamten Weinproduktion. Dennoch ist er für viele Winzer wichtig. Denn „Eisweine spielen insbesondere für die Reputation der Erzeuger eine große Rolle und werden auch international hoch geschätzt“, schreibt das DWI. In Wettbewerben können Eisweine höchste Bewertungen erlangen und auf Auktionen erzielen Sie Rekordpreise.

Bis vor einigen Jahren konnte man Deutschland durchaus noch als nördliche Weinbauregion bezeichnen. Durch die globale Erwärmung steigen aber auch hierzulande die Temperaturen kontinuierlich an. Die Folge ist, dass Trauben einerseits früher reif werden und Winzer andererseits noch länger auf den Kälteeinbruch warten müssen – wenn er denn überhaupt kommt. So verzögern sich die Termine für die Eisweinlese mittlerweile bis in den Januar, Februar oder sogar März. Das Pokerspiel namens „Eiswein-Herstellung“ ist unter diesen Bedingungen also noch riskanter als zuvor.

Und das gilt keinesfalls nur für die Herstellung von Eiswein. Weltweit sind Weinbaugebiete bedroht – vor allem in südlichen Ländern wird es für Winzer zunehmend schwieriger, bei den immer weiter steigenden Temperaturen Weinbau zu betreiben. Ein erheblicher Teil der weltweiten Rebflächen wird im Laufe der kommenden Jahre verlorengehen. Winzer können nur teilweise darauf reagieren und Maßnahmen ergreifen, um den Verlust zu minimieren. Mehr dazu lesen Sie in unserem Artikel Klimawandel erzwingt Weinwandel: Winzer müssen umdenken


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