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So nimmt der Körper sich Wein zu Herzen

Ein Glas Rotwein am Abend ist gesund, heißt es oft. Viele sehen in dieser Annahme einen Freifahrtschein und genehmigen sich ruhigen Gewissens mehrere Gläser Wein am Tag. Aber wie gesund ist das eigentlich?

06.01.2019
  • Lesezeit ca. 3 Minuten
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  • 06.01.2019
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Rotwein
© Quadronet_Webdesign/pixabay.com

Wein und andere alkoholische Getränke wirken sich, genau wie Sport und Essensgewohnheiten, auf das Herz aus. Weintrinkern wird ein Stein vom Herzen fallen, wenn sie hören, dass ein edler Tropfen nicht automatisch schlechten Einfluss auf die Gesundheit hat.

Weingenuss ist eine Herzensangelegenheit

Frankreich gilt als das Land der Liebe und des Weins. Dass der Genuss von edlen Tropfen hier tatsächlich eine Herzensangelegenheit ist, hat sich anhand des französischen Paradoxes gezeigt. Schon im Laufe des frühen 19. Jahrhunderts hat der irische Arzt Samuel Black beobachtet, dass in Frankreich weniger Menschen an koronaren Herzkrankheiten leiden als in anderen vergleichbaren Ländern. Der französische Wissenschaftler Serge Renau stellte Anfang der 1990er Jahre die Vermutung auf, dass die bessere Herzgesundheit mit dem erhöhten Weinkonsum der Franzosen zusammenhängt. Mit dieser Theorie prägte er den Begriff „Das französische Paradox“. Seither wurden viele Studien durchgeführt, die diesen Ansatz bestätigen.

Beherzt zugreifen im Weinregal?

Der Genuss von Wein soll tatsächlich positive Auswirkungen auf das Herz haben. Im menschlichen Körper gibt es zwei verschiedene Cholesterin-Transportzellen. Man unterscheidet zwischen dem LDL-Transportmolekül und dem HDL-Transportmolekül. Die LDL-Moleküle transportieren Cholesterin zu den Körperzellen. Durch Cholesterin entstehen zum Beispiel Hormone, Gallensäure und Zellwandbestandteile. Überschüssiges Cholesterin wird von den HDL-Molekülen zur Leber abtransportiert. Deshalb wird allgemein auch das HDL als „gutes Cholesterin“ bezeichnet, während LDL den Ruf des „schlechten Cholesterin“ erhalten hat.

Denn sobald im Körper zu wenig HDL-Teilchen vorhanden sind, funktioniert der Abtransport nicht mehr einwandfrei. Zellen werden dann mit Cholesterin überschüttet und können nicht alles aufnehmen. Wenn das geschieht, staut sich das Cholesterin. Die unangenehmen Folgen sind Gefäßverengungen (Arteriosklerose), die einen reibungslosen Blutfluss verhindern. Im schlimmsten Fall führt Arteriosklerose zum Herzinfarkt.



Wein hilft dabei, dieses Risiko zu verringern. Daran sollen zwei Stoffe, die im Wein enthalten sind, maßgeblich beteiligt sein. Zum einen ist das Alkohol, zum anderen sogenannte Polyphenole. Geringe Mengen Alkohol sind dazu in der Lage, Fibrinogen im Körper zu reduzieren. Bei Fibrinogen handelt es sich um Faserstoffe, die an der Pfropfenbildung beteiligt sind und Gefäße verstopfen können. Alkohol kann außerdem Blutplättchenklumpen auflösen und gefäßerweiternd wirken. Im Wein enthaltene Polyphenole haben einen ähnlichen Einfluss auf Blutplättchenklumpen und Gefäße. Außerdem heben sie den HDL-Cholesterinspiegel an. Dadurch kann der Abtransport von überschüssigem Cholesterin effektiver stattfinden und die Gefahr eines Gefäßverschlusses wird verringert.

Wein ist kein Zaubertrank

Statistisch gesehen haben Menschen mit moderatem Weinkonsum also ein geringeres Herzinfarktrisiko als Menschen, die abstinent leben. Aber Achtung: Sobald die unbedenklichen Alkoholmengen überschritten werden, erhöht sich das Risiko. Um das zu veranschaulichen, wird oft die sogenannte U-förmige Sterbekurve herangezogen. Am niedrigsten ist das Risiko demnach bei sehr geringem Konsum. Hier bildet sich also der unterste Punkt der U-Kurve. Zu beiden Seiten (links = abstinent, rechts = größere Mengen Alkohol) erhöht sich jeweils das Risiko. Hierbei ist allerdings zu berücksichtigen, dass das Herzinfarktrisiko mit hohem Alkoholkonsum deutlicher steigt als bei Abstinenzlern.

Es gibt auch Kritiker, die das französische Paradox und die darauf aufbauenden Studien in Frage stellen. Viele Studien seien nicht aussagekräftig, weil sie zum Beispiel die gesunde mediterrane Küche der Franzosen nicht berücksichtigen und weil Abstinenzler häufig trockene Alkoholiker sind oder an gewissen Krankheiten leiden.



Die potenziell positiven Auswirkungen auf die Gefäße und das Herz sollten also keinesfalls als Freikarte für täglichen Alkoholkonsum betrachtet werden. Grundsätzlich gilt, dass Weingenuss nur gesund sein kann, wenn es auch der übrige Lebensstil ist. Wichtig ist unter anderem eine ausgewogene Ernährung, regelmäßiger Sport und der Verzicht auf Zigaretten und Rauschtrinken (z.B. am Wochenende) sowie die Einhaltung der empfohlenen Maximalmengen.

Maximalmengen beherzigen

Wie viel Alkohol bei moderatem Konsum genau zu sich genommen werden darf, wird oft unterschiedlich dargestellt. Auf der Webseite des BZgA (Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung) sind folgende Werte für einen gesundheitlich unbedenklichen Konsum angegeben:

Gesunde und erwachsene Frauen können 12 Gramm pro Tag trinken, ohne ihre Gesundheit zu gefährden. Das entspricht etwa einem Standardglas. Bei gesunden und erwachsenen Männern ist es die doppelte Menge, also 24 Gramm bzw. zwei Standardgläser pro Tag. Allerdings sollten mindestens zwei bis drei Tage in der Woche komplett alkoholfrei bleiben.

Übrigens: Ein Standardglas bedeutet nicht, dass ein großes Weinglas bis zum Rand gefüllt werden darf. Der Richtwert für ein Standardglas Wein liegt bei 0,125 Litern.


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