Weinfehler erkennen: Augen auf beim Weinverzehr

Haben Sie auch schon mal einen Wein geöffnet und mussten feststellen, dass er ganz und gar nicht Ihren Erwartungen entspricht? Wenn ein übler Beigeschmack den Genuss verdirbt, kann es sein, dass Sie ein schwarzes Schaf erwischt haben. So weit muss es aber nicht kommen, denn viele Weinfehler können Sie schon im Vorfeld erkennen.

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Frau trink Wein
© Burst/www.pexels.com

Wenn sich ein Fehler in den Wein eingeschlichen hat, kann das wirklich unappetitlich sein. Entweder steigt Ihnen schon beim Öffnen ein fieser Gestank in die Nase oder es bleibt ein unangenehmer Nachgeschmack zurück. In beiden Fällen ist der Genuss schnell verdorben.

Natürlich handelt es sich nicht automatisch um einen Weinfehler, wenn Ihnen ein edler Tropfen nicht zusagt. Es gibt Weine, die sich durch einzigartige und besondere Noten auszeichnen, für die nicht jeder empfänglich ist. Oft ist es also reine Geschmackssache, ob ein Wein der Nase und dem Gaumen schmeichelt oder nicht. Manchmal handelt es sich aber auch um einen Weinfehler. Aber wie erkennen Sie den Unterschied?

Weinfehler, die ins Auge springen

Nicht immer muss der Wein sich öffnen, um Ihnen mitzuteilen, dass etwas nicht stimmt. Manchmal können Sie ihm den schlechten Zustand auch mit bloßem Auge ansehen. Dann sollten Sie näher auf ihn eingehen – je nachdem, welche Anzeichen er zeigt, können Sie unterschiedlich handeln.

Ein Auge zudrücken bei Schönheitsfehlern

Es gibt optische Weinfehler, die eigentlich gar keine sind. Manchmal kommt es zum Beispiel vor, dass sich Schimmel an der Korkenspitze bildet. Normalerweise können Sie hier ein Auge zudrücken. Wenn Sie die Spitze des Korkens mit einem Messer entfernen, den ersten Schluck aus der Flasche gießen und den Flaschenrand säubern, können Sie den Wein trotzdem genießen.

Wenn der Korken über den Flaschenrand ragt, ist das ein Zeichen dafür, dass der Wein nicht richtig gelagert wurde. Ob er dadurch geschmacklich beeinträchtigt wurde, finden Sie nur heraus, indem Sie ihn probieren. Gleiches gilt, wenn die Füllmenge niedriger ist. Dann war der Verschluss nicht dicht und Sie müssen probieren, ob es zu negativen Auswirkungen auf den Geschmack kam. Kommt es beim Einschenken zur Bläschenbildung oder Schaum auf der Oberfläche, kann das ein Anzeichen für eine Nachgärung in der Flasche sein. Auch hier geht Probieren über Studieren.

Wenn der Wein trüb und flockig ist, sieht das nicht unbedingt appetitlich aus. Geben Sie ihm trotzdem eine zweite Chance. Es kann sich um Weinstein oder aufgewirbeltes Depot handeln. Warten Sie ab, ob die Trübung von selbst verschwindet und die Partikel sich am Boden sammeln. Dann können Sie den Wein dekantieren (vom Bodensatz abgießen) und ihn anschließend trinken.



Fehler, vor denen Sie die Augen nicht verschließen können

Aber Vorsicht: Bleibt der Wein nach dem Dekantieren trüb, ist er meist nicht mehr genießbar. Ältere Weine wurden dann wahrscheinlich überlagert und bei jungen Weinen haben Hefe und Bakterien auch noch nach der Abfüllung gearbeitet, sodass der Wein in der Flasche weitergären konnte.

Immer der Nase nach

Oft genügt es nicht, die Augen aufzuhalten und wachsam zu sein. Denn der Schein kann trügen. Wenn der Wein optisch eine gute Figur macht, gilt das nicht automatisch auch für die inneren Werte. Um herauszufinden, ob er schlechte Eigenschaften hat, müssen Sie ihn erst besser kennenlernen. Offener Umgang ist dazu entscheidend, im wahrsten Sinne des Wortes. Schlägt Ihnen ein fieser Geruch entgegen, sobald die Flasche geöffnet ist, kann das folgende Gründe haben:

Geruch

Bedeutung

muffig

Korkton: Der Wein ist nicht mehr genießbar, weil ein Korkfehler vorliegt. Bestimmte Stoffe oder Gerüche sind über den Korken in den Wein gelangt (z.B. wegen falscher Lagerung neben Wasch- und Reinigungsmitteln).

modrig, nach nasser Erde

Muff- oder Fasston: Der Wein wurde in unzureichend gesäuberten Fässern gelagert, in denen sich Schimmelpilze gebildet haben. Wenn der Fehlton kaum bemerkbar ist, kann der Wein noch getrunken werden, nachdem er etwas geatmet hat.

nach Streichhölzern

Schwefelbröckser: Der Wein wurde mit zu hohen Schwefelbeigaben behandelt. Er ist nicht mehr genießbar.

nach Geranien

Geranienton: Dieser Geruch entsteht nur bei Weinen, die mit Sorbinsäure als Konservierungsmittel behandelt wurden. Wird diese von Bakterien abgebaut, kommt es zu dem unangenehmen Geruch. Wenn der Geschmack nicht beeinträchtigt ist, können Sie den Wein theoretisch noch trinken.

nach Mottenkugeln oder nassem Pappkarton

UTA, untypischer Alterston: Der Weißweinfehler kann schon während der Reifezeit der Trauben entstehen und wird unter anderem mit Witterungseinflüssen in Verbindung gebracht. Wenn der Wein trotzdem schmeckt, können Sie ihn trinken.

nach Stall oder Urin

Mäuseln: Der strenge Geruch erinnert an Mäuseurin, daher auch der Name. Er tritt auf, wenn Weine niedrige Säurewerte aufweisen und nicht genug geschwefelt wurden. Milchsäurebakterien und Hefe bilden den „Mäuselstoff“. Der Wein sollte nicht mehr getrunken werden, weil ein anhaltender und unangenehmer Nachgeschmack zu erwarten ist.

nach Gummi, Knoblauch, faulen Eiern oder Blumenkohl

Böckser: Wenn Schwefelverbindungen im Wein entstehen, kann das verschiedene Auswirkungen haben. Werden Sulfite zu Schwefelwasserstoff umgesetzt, folgt der Geruch nach faulen Eiern. Wird dieser Fehler nicht entdeckt, kommt es während der Lagerung zu Folgereaktionen (Lagerböckser), die sich durch weitere unangenehme Gerüche kennzeichnen. Der Wein ist meist nicht mehr genießbar.

nach Nagellack

Lösungsmittelton: Dieser Geruch tritt bei sehr alkoholreichen oder edelsüßen Weinen auf. Er entsteht durch zu hohe Konzentrationen von Essigsäure oder Äthylacetat.


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