Weinkorken: Diese Mythen sind total verkorkst

Obwohl es mittlerweile mehrere Alternativen gibt, bleibt der Korken in vielen Köpfen die Nummer eins, wenn es um den Verschluss von Weinflaschen geht. Rund um den klassischen Weinverschluss ranken sich so einige Halbwahrheiten und Mythen. Manche davon sind vor allem eins: total verkorkst.

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Weinflasche und Korken
© Couleur/pixabay.com

Für viele Weintrinker gehört zum echten Genuss nicht nur ein guter Wein, sondern auch der richtige Verschluss. Das typische Plopp darf einfach nicht fehlen. Korken gelten als die klassische Wahl und können auf eine lange Tradition zurückblicken. Immerhin wurden sie schon von den alten Römern genutzt. Deshalb werden sie, anders als Schraub- und Plastikverschlüsse, oft auch als die einzig wahre Verschlussart angesehen.

Aber es gibt auch andere Meinungen: Kork sei umweltschädlich, Korkeichen vom Aussterben bedroht und überhaupt seien Korken für Weinfehler verantwortlich. Was ist dran an diesen Ansichten?

1. Dem Korken sieht man die Qualität des Weins an

Dieser Irrtum ist weitverbreitet. Doch von den äußeren Werten des Korkens lässt sich längst nicht auf die inneren Werte der Flasche schließen. Ob ein Weinfehler vorliegt, können Sie mit bloßem Auge nicht am Korken erkennen. Aber Sie können es riechen. Wenn der Korken muffig riecht, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sich ein Weinfehler (Korkton, Korkschmecker) eingeschlichen hat. Im wahrsten Sinne des Wortes: Denn bei falscher Lagerung können bestimmte Stoffe oder Gerüche über den Korken in die geschlossene Flasche gelangen und den Genuss verderben.

Achtung Fettnäpfchen: Es kommt vor, dass Kellner in Restaurants eine Flasche Wein öffnen und den Korken offen hinlegen. Das hat nichts mit der Qualität des Weins zu tun. Fangen Sie also nicht an, den Korken zu untersuchen oder gar daran zu riechen. Der Kellner zeigt auf diese Weise nur, dass die Flasche vernünftig geöffnet wurde und keine Korkstücke im Wein zurückgeblieben sind.

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2. Bei Schraubverschlüssen gibt es keinen Korkton

Falsch. Denn für den Weinfehler ist nicht ausschließlich der Korken verantwortlich. Auch bei alternativen Verschlüssen, die immer häufiger zum Einsatz kommen, ist der Wein nicht vorm sogenannten Korkton geschützt. Als Korkton wird ein muffiger Ton bezeichnet, der den Wein ungenießbar macht. Er kann auch schon entstehen, bevor der Wein überhaupt mit dem Korken in Berührung kommt. Denn auf dem langen Produktionsweg kann der edle Tropfen Bekanntschaft mit nicht ganz so edlen Substanzen machen. Im Weinkeller, in der Lagerhalle oder bei der Abfüllung soll es mehr als 50 solcher Substanzen geben, die den Wein beeinflussen können.

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3. Für Korken werden Korkeichen abgeholzt

Auch diese Behauptung ist so nicht ganz richtig. Zwar werden Korken aus Korkeichen hergestellt. Dafür werden diese aber keinesfalls gefällt. Lediglich die Rinde wird geerntet und in mehreren Schritten zu Korken weiterverarbeitet.



4. Die Korkeiche stirbt aus

Ebenfalls ein Mythos, der nicht der Wahrheit entspricht. Denn durch die Ernte der Rinde wird die Korkeiche nicht langfristig geschädigt. Sobald eine Korkeiche 25 Jahre alt ist, kann die erste Ernte stattfinden. Dann regeneriert sie sich und ist alle neun Jahre zur erneuten Schälung bereit. Weltweit hält sich der Bestand der Korkeichen aufrecht und wird sogar ständig erweitert.

5. Neue Verschlussmethoden sind besser als Korken

Im Laufe der letzten Jahre haben sich eine ganze Reihe neuer Verschlussmethoden etabliert. Neben Schraubverschlüssen gibt es Korken aus Glas, Silikon und Plastik. Genau wie der Naturkorken hat jeder dieser Verschlüsse sowohl Vor- und Nachteile. Bei vielen neueren Verschlussformen bleibt noch abzuwarten, wie sie sich nach jahrzehntelanger Lagerung auf den Wein auswirken.

6. Wein atmet durch den Korken

Diese Annahme stimmt nur zum Teil. Wenn der Wein durch den Korken atmet, dann nur in sehr geringem Maße. Würde er tatsächlich atmen, wie es zum Beispiel beim Dekantieren der Fall ist, würde zu viel Sauerstoff an den Wein gelangen und ihn ungenießbar machen. Das kann vorkommen, wenn Korken mit schlechter Qualität verwendet werden. Hierbei handelt es sich aber um Ausnahmen. In der Regel wird dem Wein die Luft mit einem guten Naturkorken erfolgreich abgeschnitten.

7. Korken schaden der Umwelt

Bei Korken handelt es sich keinesfalls um ein Wegwerfprodukt, sondern um ein recycelbares Naturprodukt. Kork wird unter anderem zu natürlichem Bodenbelag, Fußmatten oder Dämmstoffen verarbeitet. Es gibt Recyclingstationen, bei denen jeder seine alten Weinkorken abgeben kann. Außerdem können kreative Weintrinker Korken sammeln und daraus etwas basteln. Einige Ideen finden Sie hier.


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