Eine Rebsorte, viele Namen: Warum es so viele Synonyme gibt

Rebsorten gibt es viele. Echte Weinliebhaber haben Spaß daran, neue Rebsorten zu entdecken und zu probieren. Doch wenn man einmal ehrlich ist: Die Menge an Rebsorten, die weltweit angebaut werden, ist zu groß, um den Überblick zu behalten. Noch komplizierter wird es, wenn man die vielen unterschiedlichen Namen einzelner Rebsorten bedenkt. Doch warum haben sie überhaupt so viele Synonyme?

11.10.2020
  • Lesezeit ca. 2 Minuten
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  • 11.10.2020
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Weinberg
© Vogelfreund/pixabay.com

Die Internationale Organisation für Rebe und Wein (OIV) hat eine Rebsorten-Liste angefertigt, in der die Rebsorten nach ihren in unterschiedlichen Ländern typischen Bezeichnungen aufgeführt sind. Über 4.000 Rebsorten-Namen sind hier aufgelistet. Hinzu kommen länderspezifische Synonyme. Die Auflistung soll dazu dienen, Klarheit in die komplizierte Welt der Rebsorten zu bringen.

Bis zu 50 Namen pro Rebsorte

Die vielen verschiedenen Bezeichnungen sind meist regional geprägt. Oft handelt es sich dabei um identische Rebsorten, manchmal gibt es aber auch leichte genetische Abweichungen. Dennoch: Bei Rebsorten, die auf der ganzen Welt weit verbreitet sind, kann es durchaus „30, 40, ja teilweise über 50 unterschiedliche regionale Bezeichnungen“ geben, wie die Wein-Experten von Schuler wissen.

Burgunder als Paradebeispiel

Wie sich unterschiedliche Sprachen und Regionen auf die Bezeichnung von Rebsorten auswirken, wird am Beispiel vom Burgunder deutlich. Jeder Weintrinker kennt die verschiedenen Namen. Wenn in Deutschland vom Grauburgunder die Rede ist, spricht man in Frankreich vom Pinot Gris und in Italien vom Pinot Grigio. Diese unterschiedliche Namensgebung ist verständlich und folgt lediglich dem System unterschiedlicher Sprachen. Allerdings: Ein lieblicher Grauburgunder wird oft auch als Ruländer bezeichnet.

Ähnlich sieht es auch beim Weißburgunder aus: Ihm entspricht der französische Pinot Blanc oder der italienische Pinot Bianco. Allein der Spätburgunder tanzt aus der Reihe. Da er in Frankreich und Italien Pinot Noir und Pinot Nero genannt wird, müsste er in Deutschland logischerweise Schwarzburgunder heißen – tut er aber nicht. Ein gängiges deutsches Synonym für den Spätburgunder ist Blauburgunder.

Weitere Synonyme für Spätburgunder: Blauer Augustiner, Clevner, Cortaillod



Grenache oder Garnacha

Die Rebsorte Grenache kennt man aus Frankreich. In Spanien wird sie ganz ähnlich bezeichnet: Garnacha. Hier ist die Gleichheit der Reben leicht zu vermuten. Allerdings nicht mehr, sobald man nach Italien schaut. Grenache oder Garnacha heißt hier nämlich Alicante. Der italienische Name leitet sich nicht von den französischen oder spanischen Bezeichnungen ab. Und das obwohl (oder gerade weil) die Rebsorte aus Spanien nach Italien importiert wurde. Sie wurde nach der gleichnamigen spanischen Hafenstadt Alicante benannt. Die Bezeichnung hat also einen historischen Hintergrund.

Weitere Synonyme für Grenache: Cannonau, Grenache noir, Garnacha Negra, Garnacha Tinta, Garnatxa, Guarnaccia

Mourvèdre oder Monastrell

Ebenfalls in Frankreich und Spanien unter verschiedenen Namen bekannt ist der Mourvèdre (französisch) oder Monastrell (spanisch). In Australien ist die gleiche Rebsorte als Mataro bekannt – früher hieß sie in Spanien genauso. Während sich Monastrell vermutlich von dem spanischen Wort „monasterio“ (=Kloster) ableitet, stammen die Namen Mourvèdre und Mataro, genau wie beim Alicante, von Hafenstädten. Die Stadt Mataro liegt in der Nähe von Barcelona und Murviedro befindet sich in der Nähe von Valencia.


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