Rotwein und Weißwein: Die meistangebauten Rebsorten in Deutschland

In Deutschland werden neben den insgesamt flächenmäßig überwiegenden weißen Rebsorten auch erlesene rote Rebsorten hervorragender Qualitäten angebaut. Während die weißen Rebsorten gut zwei Drittel der gesamten Anbaufläche in Deutschland einnehmen, bewachsen die roten Rebsorten immerhin die restliche Fläche. Im Folgenden stellen wir Ihnen neben den bekanntesten deutschen Vertretern wie Riesling, Weißburgunder oder Spätburgunder auch echte regionale (Geheim-)Tipps vor.

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  • 21.05.2021
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Rotwein und Weißwein mit Weintrauben
© Photo-Mix/pixabay.com

Der europäische Weinbau ist in unseren Köpfen seit jeher eng mit Ländern wie Italien, Frankreich oder auch Spanien verbunden. Aber auch in Deutschland ist eine traditionelle Weinkultur zu finden. Qualität und Finesse der Weine aus den deutschen Weinbaugebieten sind dabei nicht zu unterschätzen. Der deutsche Weinbau ist vor allem auf den kulturellen Einfluss des römischen Reiches zurückzuführen. Diese Einflüsse in Kombination mit den klimatischen und geologischen Bedingungen haben zur Folge, dass die meisten Weinbaugebiete und die größten Rebflächen in Deutschlands Südwesten zu finden sind.

In Deutschland werden dreizehn Weinanbaugebiete unterschieden. Im Zentrum stehen dabei der Fluss Rhein und seine bedeutenden Nebenflüsse Mosel, Main, Neckar und Nahe im Südwesten Deutschlands. Diese romantischen Flusstäler mit ihren verträumten Burgen und schroffen Felsen laden stets zu einer Reise vor malerischer Kulisse per Fahrrad, Auto oder gar Schiff ein. Umrahmt wird eine solche Reise natürlich vom außergewöhnlichen kulinarischen Angebot einer jeden Region zusammen mit der passenden, regionalen Weinempfehlung.

Überblick: Die meistangebauten Rebsorten in Deutschland

RebsorteFarbeWird u.a. angebaut in...
SpätburgunderRotBaden, Pfalz
DornfelderRotRheinhessen, Pfalz, Nahe
PortugieserRot
Pfalz, Rheinhessen
TrollingerRot
Württemberg, Baden
SchwarzrieslingRot
Württemberg, Baden
LembergerRot
Württemberg, Pfalz, Franken
RegentRotRheinhessen, Pfalz, Baden
Cabernet SauvignonRotPfalz, Rheinhessen, Nahe
Merlot
RotPfalz, Rheinhessen, Baden
RieslingWeißMosel, Rheingau, Pfalz
Müller-ThurgauWeiß
Rheinhessen, Baden, Pfalz
SilvanerWeiß
Franken, Rheinhessen
KernerWeiß
Mosel, Nahe, Rheinhessen
GrauburgunderWeiß
Baden, Pfalz, Rheinhessen
WeißburgunderWeiß
Baden, Rheinhessen
BacchusWeiß
Franken, Nahe, Pfalz
ScheurebeWeiß
Rheinhessen, Pfalz, Nahe
GutedelWeißBaden, Saale-Unstrut
GewürztraminerWeißPfalz, Baden, Rheinhessen

Rote Rebsorten in Deutschland

Bei eleganten Rotweinen höchster Qualitäten denken viele Weinfreunde natürlich sofort an die Spezialitäten aus Italien oder Frankreich. Die spanische Sonne lässt erlesene rote Rebsorten ebenso gedeihen und reifen. Aber auch die deutschen Anbaugebiete bringen trotz eines gemäßigteren Klimas Rotweine ausgezeichneter Qualitäten hervor, die sich mit den Weinen Südeuropas durchaus messen können und unter Kennern gar als echte Spezialitäten gehandelt werden.

Spätburgunder

Die sehr alte und edle Sorte wird in Deutschland häufig als Pendant zum Riesling bei den weißen Sorten gesehen. Oft wird der Spätburgunder – auch als Pinot noir bekannt – als König der Rotweine bezeichnet. In Deutschland nimmt diese Sorte mit einem Anteil von ca. 11 Prozent an der gesamten Rebfläche die größte Anbaufläche der roten Rebsorten ein. Die Tendenz ist dabei seit den 1990er Jahren kontinuierlich steigend. Gehobene Spitzenqualitäten, die sich sogar mit den Erzeugnissen aus dem namensgebenden Burgund in Frankreich messen können, werden vor allem in Baden mit Schwerpunkt Kaiserstuhl und der Pfalz angebaut. Die Sorte hat hohe Ansprüche an Lage und Geologie, die in diesen Gebieten erfüllt werden.

Der Spätburgunder zählt zu den ältesten roten Weinsorten in Europa. Er wird vorzugsweise als trockner, kräftiger Rotwein ausgebaut, der sich vor allem für den Genuss in der kühleren Jahreszeit bei einer perfekten Trinktemperatur von 16 – 18 °C eignet. Teilweise findet die Traube jedoch auch für Roséweine oder die Versektung Verwendung.

Typisch für den Spätburgunder ist seine rubinrote Farbe sowie Aromen nach Pflaumen, Erdbeeren, Kirschen, Feigen und auch Kräutern.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Pinot Noir
Infografik zur Rebsorte Spätburgunder
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Pinot Noir
Infografik zur Rebsorte Spätburgunder

Dornfelder

Die vergleichsweise junge Rebsorte Dornfelder erfreut sich in Deutschland ebenfalls großer Beliebtheit und ist mittlerweile zu einem echten Klassiker gereift. Die Anbaufläche nimmt mit ca. 7 % hinter dem Spätburgunder den zweiten Platz der roten Sorten in Deutschland ein. Die Dornfelder-Rebe wurde erst 1955 durch eine Kreuzung der Sorten Helfensteiner und Heroldrebe an der in der Nähe von Heilbronn gelegenen Versuchsanstalt Weinsberg gezüchtet. Namenspate ist Immanuel Dornfeld, der als Gründervater eben jener Versuchsanstalt gilt. Wurde der Dornfelder in früheren Zeiten meist als Verschnittpartner für andere rote Sorten herangezogen, wird er aktuell vermehrt sortenrein in unterschiedlichen Qualitätsstufen ausgebaut.

Die Rebsorte gilbt als robust und zeichnet sich durch hohe Erträge aus. Sie stellt aber einen gewissen Anspruch an Boden und Lage. Die Weine werden meist als trockene oder halbtrockene Variante ausgebaut und sind gut lagerfähig. Würzigere Variationen lagern oft im Barrique. Sie eigenen sich vor allem zum Genuss in der kühleren Jahreszeit. Fruchtigere Ausbauvarianten können jedoch sogar leicht gekühlt als erfrischender Sommergenuss dienen. Aromen von Sauerkirsche, Brombeere oder Holunder zeichnen den Dornfelder aus.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Dornfelder
Infografik zur Rebsorte Dornfelder
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Dornfelder
Infografik zur Rebsorte Dornfelder

Portugieser

Der Blaue Portugieser – meist kurz als Portugieser bezeichnet – gilt als unkomplizierter, süffiger und frischer Rotwein. Er nimmt in Deutschland aktuell den dritten Platz der roten Rebsorten ein. Die Ursprünge der Traube sind wohl auf das heutige Slowenien zurückzuführen. Von dort kam die Rebe über Österreich im 19. Jahrhundert nach Deutschland. Seit den 1990er Jahren ist die Anbaufläche hierzulande jedoch trotz eines anhaltenden Rotweinbooms kontinuierlich rückläufig. Hauptanbaugebiete sind noch Rheinhessen und die Pfalz.

Die Rebe stellt geringe Ansprüche an Boden und Lage. Als frühreifende Sorte können die Trauben meist schon in der ersten Septemberhälfte geerntet werden. Als frischer Schoppenwein kann der Portugieser etwas kühler als andere Rotweine bei ca. 14 – 16 °C gereicht werden. Der Portugieser besticht durch Aromen von Johannisbeere, Erdbeeren, Himbeere und Sauerkirsche. Auch Pfeffernoten sind nicht untypisch. Der Portugieser wird mancherorts auch als erfrischender Weißherbst produziert.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Portugieser
Infografik zur Rebsorte Portugieser
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Portugieser
Infografik zur Rebsorte Portugieser

Trollinger

Kein anderes Weinbaugebiet in Deutschland ist so eng mit dem Trollinger verbunden wie Württemberg. Die Rebe ist dort die meistangebaute rote Rebsorte. Trollinger wird auch gern als „schwäbisches Nationalgetränk“ bezeichnet und steht wie wohl kein anderes Getränk für die württembergische Bodenständigkeit. Kleinere Anbauflächen finden sich zudem im angrenzenden Baden. In anderen deutschen Weinbaugebieten findet der Trollinger keine Beachtung. Die Gesamtanbaufläche der Sorte in Deutschland ist als nahezu konstant zu bewerten.

Die Trollinger-Rebe hat hohe Ansprüche an Boden und Lage, dankt dies jedoch mit vergleichsweise hohen Erträgen. Die Traube reift sehr spät im Jahr, sodass eine Konzentration der Anbaufläche auf den äußersten Südwesten Deutschlands vor allem klimatische Gründe hat. Der Trollinger wird meist zu frischen und kernigen Rotweinen ausgebaut, die hervorragend zu einer deftigen Brotzeit passen. Aromen von Wildkirsche und Muskat machen den Trollinger besonders. Neben dem sortenreinen Ausbau ist zudem ein Verschnitt mit Lemberger verbreitet.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Trollinger
Infografik zur Rebsorte Trollinger
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Trollinger
Infografik zur Rebsorte Trollinger

Schwarzriesling

Der Schwarzriesling ist trotz seines Namens nicht mit der Familie der Riesling-Reben verwandt. Einzig die Traubenform und die Eigenschaft der späten Reife lassen einen Rückschluss auf die Namensgebung zu. Der Schwarzriesling gehört der Gruppe der Burgundersorten an und war wahrscheinlich ursprünglich eine Mutation des Spätburgunders. Bei Tisch wird der Schwarzriesling auch gern als Alternative zu eben jenem gereicht. Nach Frankreich entfällt die weltweit zweitgrößte Anbaufläche des Schwarzrieslings auf Deutschland. Die größte Anbaufläche ist dort im Anbaugebiet Württemberg zu finden. Kleinere Flächen gibt es zudem in Baden, der Pfalz, Rheinhessen und Franken.

Der Schwarzriesling ist auch unter dem Synonym Müllerrebe bekannt. Der Ursprung dieses Namens liegt im Aussehen der Blätter begründet. Die Blattunterseite ist sehr stark behaart. Dadurch sehen die Blätter so aus als seien sie mit Mehl bestäubt.

Im Anbau stellt der Schwarzriesling geringere Ansprüche an Boden und Klima als der Spätburgunder und gilt gleichzeitig als relativ ertragssicher, was ihn unter Winzern beliebt macht. Durch den späten Austrieb der Rebe ist die Sorte weniger empfindlich gegen späte Fröste im Frühjahr. Die Weine können sowohl trocken als auch fruchtsüß ausgebaut werden. Es überwiegen vor allem fruchtige Aromakomponenten.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Schwarzriesling
Infografik zur Rebsorte Schwarzriesling
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Schwarzriesling
Infografik zur Rebsorte Schwarzriesling

Lemberger

Der Blaue Lemberger wird häufig kurzerhand auch einfach als Lemberger bezeichnet. In Deutschland findet die Sorte vor allem im Anbaugebiet Württemberg Beachtung, aber auch in Weinbaugebieten wie der Pfalz, Baden oder Rheinhessen wird die Traube kultiviert. In den letzten Jahren ist eine kontinuierliche Steigerung der deutschen Anbauflächen zu beobachten. Die weltweiten Spitzenpositionen für den Anbau des Lembergers nehmen jedoch Ungarn und Österreich ein.

Die Rebe hat bei mittleren Bodenansprüchen höchste Ansprüche an die Lage. Dies ist auf den frühen Austrieb und die späte Reife zurückzuführen, die einen windgeschützten Standort notwendig machen. Der meist dunkel- bis schwarzrote Wein überzeugt durch ein intensives Beerenaroma. Ein Ausbau im Barrique ist ebenfalls möglich und erhöht die Komplexität der vorhandenen Aromen-Struktur. Der Verschnitt mit Trollinger ist unter Winzern ebenfalls beliebt. Überlieferungen besagen, dass sich der Lemberger bereits bei berühmten Staatsmännern wie Fürst Bismarck und Napoleon Bonaparte großer Beliebtheit erfreute.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Lemberger
Infografik zur Rebsorte Lemberger
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Lemberger
Infografik zur Rebsorte Lemberger

Regent

Regent ist eine Kreuzung der Sorten Silvaner, Müller-Thurgau und Chambourcin. 1967 wurde die Sorte im Institut für Rebenzüchtung auf dem Geilweilerhof in der Südpfalz gezüchtet. Die deutsche Sortenzulassung erfolgte jedoch erst 1995. Damit ist die Rebsorte als noch sehr jung einzuordnen. Sie zeichnet sich vor allem durch ihre erhöhte Widerstandskraft gegenüber Mehltau-Pilzkrankheiten aus, die eine zusätzliche chemische Behandlung vielerorts überflüssig werden lässt. Die Sorte wird in allen deutschen Weinbaugebieten kultiviert, die größten Rebflächen sind in Rheinhessen, der Pfalz, Baden und Franken zu finden.

Die Trauben erreichen ein überdurchschnittliches Mostgewicht. Die Weine sind meist schon früh trinkreif und erinnern in ihrer Aromen-Struktur fast an südländische Rotweine. Hochwertige Regent-Weine können auch im Barrique ausgebaut werden.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Regent
Infografik zur Rebsorte Regent
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Regent
Infografik zur Rebsorte Regent

Cabernet Sauvignon

Cabernet Sauvignon zählt zu den wohl bekanntesten roten Weinsorten der Welt. Beheimatet ist sie von alters her im französischen Weinbaugebiet Bordeaux, wird heute jedoch weltweit kultiviert. Sie wächst vorwiegend in mildem, gemäßigtem Klima mit möglichst konstanten Temperaturverläufen. Aus diesem Grund spielte die Sorte in Deutschland bislang eine eher untergeordnete Rolle. Die ersten Reben wurden hierzulande erst 1987 angebaut. Heute sind die größten Anbauflächen Deutschlands in der Pfalz und in Rheinhessen zu finden. Die Anbauflächen in den Weinbauregionen Baden und Nahe sind wesentlich kleiner.

Cabernet Sauvignon steht wie fast keine andere Rebsorte für ein unverwechselbares und charakteristisches Geschmacksprofil, das trotz unterschiedlicher Beschaffenheiten von Boden und Lage verschiedener Anbauregionen weltweit grundsätzlich erhalten bleibt. Die Weine eigenen sich aufgrund ihrer Struktur hervorragend für eine lange Lagerung und den Ausbau im Barrique. Des Weiteren wird Cabernet Sauvignon auch gern als Partner von Merlot, Cabernet Franc oder Malbec für die Herstellung von Cuvées verwendet.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Cabernet Sauvignon
Infografik zur Rebsorte Cabernet Sauvignon
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Cabernet Sauvignon
Infografik zur Rebsorte Cabernet Sauvignon

Merlot

Merlot oder auch Merlot Noir stammt analog zum Cabernet Sauvignon aus der Gegend rund um die französische Stadt Bordeaux. In der weltweiten Weinbaufläche nimmt die Sorte mittlerweile den zweiten Rang ein und erfreut sich immer größer werdender Beliebtheit. So wird die Rebsorte rund um die Welt in Ländern wie den USA, Chile oder Australien angebaut. In Deutschland wird die Sorte seit 1997 angebaut. Die Merlot-Rebe hat es hierzulande mittlerweile in die „Top Ten“ der roten Rebsorten geschafft. Die größten deutschen Anbauflächen des Merlots sind in der Pfalz und in Rheinhessen zu finden. Kleinere Bestände gibt es in den Weinbaugebieten Baden, Württemberg und Nahe. Zur weiterhin wachsenden Anbaufläche tragen auch die Auswirkungen des Klimawandels bei, der in Deutschland zu einem stetig milder werdenden Klima führt.

Die Merlot-Traube wird zur Verfeinerung anderer Sorten häufig in der Cuvée-Herstellung verwendet. Als einer der geeignetsten Partner hat sich dabei der Cabernet Sauvignon herauskristallisiert. Aufgrund von Struktur und Aromaprofil eigenen sich Weine der Merlot-Traube hervorragend für die Fasslagerung. Ein Vorteil in der Herstellung ist dabei, dass die Weine schon nach vergleichsweise wenigen Jahren die Genussreife erreichen können.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Merlot
Infografik zur Rebsorte Merlot
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Merlot
Infografik zur Rebsorte Merlot


Weiße Rebsorten in Deutschland

Der Anbau weißer Rebsorten hat in den deutschen Anbaugebieten eine lange Tradition und überwiegt auch mengenmäßig deutlich. Somit macht die Weißweinproduktion mit einem Anteil von ca. zwei Drittel den Großteil der deutschen Gesamtweinproduktion aus. Die wichtigsten weißen Rebsorten Deutschlands werden wir ihnen mit ihren jeweiligen Besonderheiten im Folgenden vorstellen.

Riesling

Der Riesling ist die wohl bedeutendste weiße Rebsorte Deutschlands. Er nimmt die größte Anbaufläche ein und wird von Winzern in allen dreizehn Anbaugebieten kultiviert. Rieslingweine werden in sämtlichen Qualitätsstufen und Geschmacksrichtungen ausgebaut. Deutschland erzeugt ca. 40 % der weltweiten Riesling-Produktion und nimmt mit Abstand die Spitzenposition ein. Im bedeutendsten Anbaugebiet für diese Rebsorte – dem Rheingau – nimmt der Riesling sogar fast 80 % der gesamten Rebfläche ein.

Der Riesling ist langsam reifend und daher besonders für nördlichere Anbauflächen gut geeignet. Die Ansprüche an Lage und Sonneneinstrahlung sind vergleichsweise hoch, die Anforderungen an den Boden hingegen eher gering. Eine besondere Aromenkomposition bildet sich beim Anbau auf schroffen Schieferböden – beispielsweise im romantischen Mittelrheintal – aus. Die vergleichsweise hohe Säure bildet außerdem eine gute Grundlage für eine Versektung. Die höchsten Riesling-Qualitäten finden sich in edelsüßen Beerenauslesen oder Eisweinen, die international hochpreisig gehandelt werden und zu den renommiertesten Weinen des deutschen Weinexports zählen.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Riesling
Infografik zur Rebsorte Riesling
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Riesling
Infografik zur Rebsorte Riesling

Müller-Thurgau

Die Rebsorte Müller-Thurgau wurde im 19. Jahrhundert von Professor Müller an der noch heute bestehenden und in der Branche führenden Forschungsanstalt für Weinbau in Geisenheim (Rheingau) neu gezüchtet. Professor Müller stammte aus dem Schweizer Kanton Thurgau, woraus sich auch der Name der Rebsorte ableitet. Bei der Neuzüchtung ging man zunächst fälschlicherweise davon aus, dass es sich um eine Kreuzung aus Riesling und Silvaner handelte. Daraus resultiert auch das heute noch oft verwendete Synonym „Rivaner“. Mittels wissenschaftlicher Nachforschungen konnte jedoch im Lauf der Jahre nachgewiesen werden, dass es sich beim Müller-Thurgau ursprünglich um eine Kreuzung der Sorten Riesling und Madeleine Royale handelte.

Heute hat der Anbau der Rebsorte in Deutschland große Bedeutung. Die Rebfläche nimmt im deutschlandweiten Vergleich hinter Riesling den zweiten Platz ein. Die Rebe stellt keine großen Ansprüche an die Böden und gilt als ertragssicher, was den Anbau für den Winzer lukrativ macht. Die Weine überzeugen durch vielfältige Einsatzmöglichkeiten und erfreuen sich in Form von Alltagsweinen auch bei Laien großer Beliebtheit. Müller-Thurgau gilt gemeinhin als Wein mit einer geringen Lagerfähigkeit, weshalb ein Verzehr in den ersten Jahren nach der Ernte meist zu empfehlen ist.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Müller-Thurgau
Infografik zur Rebsorte Müller-Thurgau
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Müller-Thurgau
Infografik zur Rebsorte Müller-Thurgau

Silvaner

Der Silvaner gilt als Wein der Franken und steht in der gesellschaftlichen Wahrnehmung in enger Verbindung zur regionaltypischen Flasche „Bocksbeutel“, die in ihrer Form an eine militärische Feldflasche erinnert. Bereits im Jahre 1659 wurden in der Nähe vom unterfränkischen Würzburg die ersten Silvaner-Reben in Deutschland gepflanzt. Aber auch in Rheinhessen wird der Silvaner – teils in herausragenden Qualitäten – kultiviert. Der Ursprung der Rebsorte war lange Zeit umstritten. Weiterführende genetische Untersuchungen lassen jedoch auf eine Abstammung aus dem österreichischen Raum schließen.

Der Silvaner lässt sich in keine Schublade stecken. Die Rebe überzeugt durch eine außergewöhnliche Vielfalt, die ihresgleichen sucht. So findet man die Rebe ausgebaut als leichten Sommerwein, geschmeidigen Barriquewein oder gar als intensiven Edelsüßen. Mit dieser Vielfalt passen Silvaner-Weine zu nahezu jedem Anlass und erfreuen sich deutschlandweit großer Beliebtheit.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Silvaner
Infografik zur Rebsorte Silvaner
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Silvaner
Infografik zur Rebsorte Silvaner

Kerner

Die Rebsorte Kerner entspringt einer Kreuzung aus rotem Trollinger und weißem Riesling aus dem Jahre 1929 unter Federführung des Züchters August Herold. Namenspate der Sorte ist hingegen der schwäbische Dichter Justinus Kerner. Ausgehend von der Pfalz eroberte der Kerner die deutschen Weinbaugebiete. Nach dem Höhepunkt in den 1990er Jahren ist die Anbaufläche seitdem jedoch kontinuierlich rückläufig.

Die lange Reifezeit des Kerners ermöglicht hohe Mostgewichte, die sich für Prädikatsweine eignen. Ein Vorteil der Sorte ist der späte Austrieb des Rebstocks, der Frostschäden im Frühjahr verhindert. Die Rebsorte gilt als robust und stellt mittelhohe Ansprüche an die Lage, sehr trockene Standorte gelten jedoch als ungeeignet. Die Sorte liefert gleichbleibende Erträge und ermöglicht einen Ausbau in allen Qualitätsstufen. Die Kerner-Weine erinnern oft an einen Silvaner, leichtere Varianten können auch Ähnlichkeiten mit einem Riesling aufweisen.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Kerner
Infografik zur Rebsorte Kerner
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Kerner
Infografik zur Rebsorte Kerner

Grauburgunder

Die Rebsorte Grauburgunder (Pinot Grigio) ist auch unter ihrem französischen Namen Pinot gris oder dem italienischen Namen Pinot grigio bekannt und beliebt. Ihr Ursprung liegt im französischen Burgund. Es handelt sich um eine Mutation des Pinot noir (Spätburgunder), der häufig auch als König der Rotweine bezeichnet wird. Die Traube des Grauburgunders besitzt daher auch eine rötlich graue Haut, wird aber dennoch den Weißweinen zugeordnet. Die Sorte wird weltweit kultiviert, die Bedeutung für den deutschen Weinbau hat in den vergangenen Jahren wieder zugenommen.

Die Beeren sind aufgrund ihrer dünnen Haut vergleichsweise anfällig für Verletzungen und starke Temperaturschwankungen, jedoch wenig krankheitsanfällig. Die Rebe hat außerdem einen hohen Anspruch an Klima und Böden, was ihren Anbau zur Herausforderung für den Winzer machen kann.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte
Infografik zur Rebsorte Grauburgunder
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte
Infografik zur Rebsorte Grauburgunder

Weißburgunder

Der Weißburgunder stammt – analog zum Grauburgunder – aus dem französischen Burgund, wo er unter dem Namen Pinot blanc bekannt ist. Es handelt sich ebenfalls um eine Mutation des roten Pinot noir (Spätburgunder). Der Orden der Zisterzienser brachte die Sorte im Mittelalter in den Rheingau. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein wurde der Weißburgunder aufgrund der großen Ähnlichkeit in vielen Lagen zusammen mit dem Chardonnay kultiviert, ohne die beiden Sorten hinreichend zu differenzieren. Die Sorte ist in weiten Teilen Europas stark verbreitet.

Die Weißburgunderrebe benötigt gute Böden mit einem hohen Wasserspeicherpotenzial bei warmer Lage. Bis zum Beginn der Traubenreife lassen sich die drei Burgundersorten Spätburgunder, Grauburgunder und Weißburgunder fast nicht unterscheiden. Erst während der Reife prägen sich die charakteristischen Sortenmerkmale aus. Für den Weißburgunder bietet sich ein trockener Ausbau an, im Bereich der Spätlese oder Auslese werden die Weine teilweise auch im Barrique ausgebaut.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Weißburgunder
Infografik zur Rebsorte Weißburgunder
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Weißburgunder
Infografik zur Rebsorte Weißburgunder

Bacchus

Bei der Benennung der Züchtung aus (Silvaner x Riesling) x Müller-Thurgau aus dem Jahr 1933 stand niemand geringeres Pate als der römische Weingott Bacchus. Die Zulassung der Rebsorte in Deutschland wurde jedoch erst 1972 mit Eintrag in die Sortenliste erteilt. Die wesentlichen Anbaugebiete des Bacchus in Deutschland sind Franken und Rheinhessen. Die Gesamtanbaufläche ist jedoch nach dem Höhepunkt in den 1980er Jahren in den vergangenen Jahren stetig rückläufig. Kleinere Anbauflächen sind in den Gebieten Nahe und Pfalz zu finden.

Die Bacchus-Rebe ist frühreifend und lässt sich daher auch in Lagen anbauen, die für den Anbau von Riesling ungeeignet erscheinen. Leichte bis mittelkräftige Bacchus-Weine können an die Aromatik der Scheurebe erinnern. Die vollmundigen Weine dieser Traube werden gern als Trinkwein gereicht.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Bacchus
Infografik zur Rebsorte Bacchus
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Bacchus
Infografik zur Rebsorte Bacchus

Scheurebe

Die Scheurebe wurde im Jahr 1916 vom Züchter Georg Scheu in Alzey aus den Rebsorten Riesling und Bukettrebe gekreuzt und wird heute in Deutschland vorwiegend in den rheinland-pfälzischen Anbaugebieten Rheinhessen, Pfalz und Nahe kultiviert. Sie reift mittelspät bei mittelhohen Erträgen. Die Ansprüche an den Standort sind mit denen des Rieslings zu vergleichen. Die größte Anbaufläche der Scheurebe war in Deutschland in den 1980er Jahren zu finden. Nach einem Abfall ist die Anbaufläche in den letzten Jahren als konstant bis leicht wachsend zu beurteilen.

Die Scheurebe gilt unter Winzern als äußerst variantenreich. Von einem leichten Kabinettwein über eine trockene oder halbtrockene Spätlese bis hin zu einer edelsüßen Spätlese oder Auslese sind vielfältige Ausbaustile und Qualitätsstufen möglich, die die Rebe für ein breites Publikum öffnen.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Scheurebe
Infografik zur Rebsorte Scheurebe
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Scheurebe
Infografik zur Rebsorte Scheurebe

Gutedel

Überlieferungen und historische Zeugnisse deuten darauf hin, dass die Gutedeltraube bereits vor 5.000 Jahren im alten Ägypten kultiviert wurde. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen zweifeln diese These jedoch an, sodass der wahre Ursprung dieser historischen Rebsorte bisher nicht abschließend geklärt werden konnte. In Deutschland wird die Rebe vor allem im südlichen Baden zwischen Freiburg und der Schweizer Grenze – dem sogenannten Markgräflerland – angebaut. Kleinere Anbauflächen sind im Gebiet Saale-Unstrut zu finden. Für den Schweizer Weinanbau hat die Rebsorte eine weitaus bedeutendere Rolle inne.

Für den Anbau der Rebe sind durchschnittliche Standorte ausreichend. Aufgrund der mittelfrühen Reife und der guten Qualität wurde die Gutedelrebe schon mehrfach als Kreuzungspartner eingesetzt. Ergebnisse waren beispielsweise die Huxelrebe oder der Nobling. Die Rebe an sich ist als eher geschmacksneutral zu beschreiben, wodurch die standortbezogenen Merkmale wie Böden oder Mikroklima besonders zur Geltung kommen. Die Weine werden meist zu leichten, süffigen Trinkweinen ausgebaut, die jedoch aufgrund des geringen Säuregehalts ein geringes Alterungspotenzial besitzen. Daher empfiehlt sich der Verzehr in den ersten Jahren nach der Ernte.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Gutedel
Infografik zur Rebsorte Gutedel
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Gutedel
Infografik zur Rebsorte Gutedel

Gewürztraminer

Die Beere des Gewürztraminers weißt eine leicht rötliche Farbe auf. Die Sorte erbringt eher geringere Erträge, die außerdem als unsicher zu bezeichnen sind. Neben seiner Qualität gilt der Gewürztraminer auch aus diesem Grund als eine der hochwertigsten Rebsorten in Deutschland. Namensgebend für die Sorte ist die Gemeinde Tramin in Südtirol. In dieser Region hat die Rebsorte weiterhin eine große Bedeutung für den Weinbau. In Deutschland zählen die Pfalz, Baden und Rheinhessen zu den wichtigsten Anbaugebieten.

Der Name lässt bereits auf eine ausgeprägte Aromatik der Weinerzeugnisse schließen. Neben einem komplexen Aromenprofil können auch beachtliche Alkoholgehalte erreicht werden. Besonders edelsüße Auslesen eigenen sich daher für eine langjährige Lagerung.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Gewürztraminer
Infografik zur Rebsorte Gewürztraminer
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Gewürztraminer
Infografik zur Rebsorte Gewürztraminer

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