Weinbau in Österreich: 10 besondere Rebsorten

Der Europäische Weinbau wird seit vielen Jahrhunderten von großen Weinnationen wie Frankreich oder Italien dominiert. Doch auch kleinere Nationen betreiben in deren Schatten erfolgreichen Weinbauch mit Tradition. Zu diesen zählt auch die Alpenrepublik Österreich. Bisher meist nur unter Kennern bekannt, möchten wir Ihnen im Folgenden die Besonderheiten des österreichischen Weinbaus und ausgewählte Rebsorten des Landes mit ihren jeweiligen Besonderheiten vorstellen.

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  • 03.10.2021
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Weintrauben am Weinberg bei schönem Wetter
© PIXEL to the PEOPLE/www.shutterstock.com

Wein wird im knapp neun Millionen Einwohner zählenden Österreich auf ca. 48.700 ha bestockter Fläche angebaut. Zum Vergleich: Die Weinbaufläche in Deutschland liegt bei ca. 103.000 ha. Dabei machen weiße Rebsorten ca. zwei Drittel der Anbaufläche aus, auf einem Drittel der Flächen werden rote Sorten angebaut. Der Großteil der österreichischen Weine ist für den inländischen Markt bestimmt. Der österreichische Weinbau wird dominiert von der Donau – Europas zweitgrößtem Strom – und konzentriert sich daher vor allem auf den Osten des Landes. In anderen Landesteilen wird der Anbau durch die topographischen Herausforderungen der Zentralalpen erschwert.

In Österreich werden drei Weinbauregionen unterschieden, die sich in verschiedene Weinbaugebiete unterteilen: Das Weinland erstreckt sich über die Bundesländer Burgenland, Niederösterreich und Wien und macht mit Abstand den größten Anteil der österreichischen Anbaufläche aus. Es beheimatet 14 der 17 Weinbaugebiete. An zweiter Stelle liegt das Steirerland im Bundesland Steiermark. Seine Flächen machen ca. 10,5 % der österreichischen Anbaufläche aus. Die Anbauflächen im Südosten des Landes an der slowenischen Grenze erreichen Höhen von bis zu 700 Meter über dem Meeresspiegel. Die klimatischen und geologischen Bedingungen machen das Steirerland zu einer typischen Weißweinregion. Die dritte österreichische Weinbauregion ist das Bergland. Unter diesem Namen werden kleinere Flächen in den fünf Bundesländern Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg zusammengefasst. Die Rolle des Berglands im österreichischen Weinbau ist jedoch als untergeordnet zu bewerten.

Weine höherer Qualitäten sind in Österreich die Qualitäts- und Prädikatsweine, die erst nach staatlicher Prüfung und Vergabe einer daraus resultierenden Prüfnummer in den Verkehr gebracht werden dürfen. Die Einordnung richtet sich dabei vor allem nach dem Mostgewicht. In Österreich sind aktuell 22 weiße und 13 rote Rebsorten zur Herstellung von Qualitäts- und Prädikatsweinen zugelassen. Des Weiteren können Weine seit 2003 unter bestimmten Voraussetzungen auch die Herkunftsbezeichnung „DAC“ führen. Diese steht für „Districtus Austriae Controllatus“ und wird in Österreich für gebietstypische Qualitätsweine vergeben. Damit werden die Besonderheiten der einzelnen Anbaugebiete und Lagen in den Fokus gerückt.

Überblick: Rebsorten in Österreich

RebsorteFarbeWird u.a. angebaut in...
GoldburgerWeißNiederösterreich, Wien
NeuburgerWeißWachau, Leithaberg
RotgipflerWeißThermenregion
ZierfandlerWeißThermenregion
FurmintWeißBurgenland
BlauburgerRotBurgenland
Blauer WildbacherRotWeststeiermark
RáthayRotWeinviertel
RoeslerRotWeinviertel
St. LaurentRotNeusiedler See, Thermenregion

Goldburger

Die weiße Rebsorte Goldburger ist eine Neuzüchtung aus der staatlichen Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau im niederösterreichischen Klosterneuburg. Friedrich Zweigelt kreuzte dafür 1922 die Sorten Welschriesling und Orangetraube. Sie wird ausschließlich in Österreich angebaut, wird jedoch nur auf 0,1 % der landesweiten Anbaufläche kultiviert, zum Beispiel im Burgenland, in Niederösterreich, in der Steiermark oder um Wien. Goldburger nimmt für den Weinbau eine eher untergeordnete Rolle ein. Trotz vergleichsweise geringer Ansprüche an den Boden konnte sich die Sorte bisher nicht nachhaltig etablieren. Ein Grund könnte die Anfälligkeit für den Echten Mehltau sein. Die Weine, die aus Goldburger entstehen, sind eher geschmacksneutral, können aber vollmundig und fruchtig auftreten.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Goldburger
Infografik zur Rebsorte Goldburger
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Goldburger
Infografik zur Rebsorte Goldburger

Neuburger

Der Ursprung der weißen Rebsorte Neuburger liegt mit großer Wahrscheinlichkeit in der Wachau. Es handelt sich um eine natürliche Kreuzung der Rebsorten Roter Veltliner und Sylvaner. Heute ist die Rebsorte Neuburger vor allem in der Thermenregion verbreitet. Außerhalb Österreichs wird die Sorte außerdem in Tschechien, der Slowakei und mit einem geringen Anteil auch in Rumänien kultiviert.
Die Rebsorte Neuburger wächst sehr gut auf kargen, trockenen Böden mit einem hohen Kalkanteil. Sie ist jedoch sehr anfällig für Botrytis. In Österreich wird die Rebsorte aufgrund eines hohen Mostgewichts gern für die Qualitäts- und Prädikatsweinerzeugung hergenommen. Neben den Sorten Weißburgunder, Chardonnay und Grüner Veltliner wird der Neuburger für den Leithaberg DAC eingesetzt.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Neuburger
Infografik zur Rebsorte Neuburger
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Neuburger
Infografik zur Rebsorte Neuburger

Rotgipfler

Anders als der Name vermuten lässt, handelt es sich beim Rotgipfler tatsächlich um eine weiße Rebsorte. Der Name leitet sich nämlich nicht von der Traubenfarbe sondern von den rötlichen Triebspitzen der Pflanze ab. Es handelt sich um eine natürliche Kreuzung aus Traminer und Rotem Veltliner. Die Sorte benötigt beste Lagen bei warmen Böden, die in der niederösterreichischen Thermenregion gegeben sind. Daher ist die Rebsorte fast ausschließlich dort verbreitet. Außerhalb Österreichs sind kleinere Flächen in Deutschland, Frankreich, Ungarn, Kroatien und Slowenien zu finden.

Die Sorte wird meist sortenrein ausgebaut oder aber mit dem Zierfandler verschnitten. Zunehmend gewinnt der Rotgipfler auch für die Produktion von Qualitätsweinen an Bedeutung.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Rotgipfler
Infografik zur Rebsorte Rotgipfler
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Rotgipfler
Infografik zur Rebsorte Rotgipfler

Zierfandler

Ähnlich wie der Rotgipfler ist der Zierfandler fast ausschließlich in der Thermenregion zu finden, wo die Sorte als natürliche Kreuzung aus Rotem Veltliner und einer traminerähnlichen Sorte vermutlich auch ihren Ursprung hat. Kleinere Anbauflächen außerhalb Österreichs sind noch in Ungarn zu finden.

Obwohl es sich um eine weiße Sorte handelt, wird der Zierfandler häufig als Spätrot bezeichnet. Dies ist auf die Beeren zurückzuführen, die sich auf der Sonnenseite während der Reife leicht rötlich färben. Die Sorte benötigt beste Lagen, die in der Thermenregion vorzufinden sind. Im Verschnitt mit dem Rotgipfler ist die Sorte auch als Spätrot-Rotgipfler bekannt. In manchen Lagen werden beide Sorten sogar schon als Mischsatz gepflanzt und im Anschluss zusammen gekeltert.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Zierfandler
Infografik zur Rebsorte Zierfandler
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Zierfandler
Infografik zur Rebsorte Zierfandler

Furmint

Der Furmint ist eine alte weiße Rebsorte, deren Herkunft bis heute nicht endgültig geklärt ist. Ihr Ursprung liegt vermutlich in Ungarn, wo noch heute die größten Anbauflächen der Rebe zu finden sind. Dort ist der Furmint Trägersorte des Tokajers, einem der berühmtesten Weine Ungarns. Die Anbaufläche in Österreich ist vergleichsweise klein, jedoch für die Herstellung des Prädikatsweins Ruster Ausbruch noch heute von großer Bedeutung. Diese Delikatesse stammt aus der Gegend um Rust im Burgenland nahe der ungarischen Grenze. Auch in den slowenischen, slowakischen und kroatischen Anbaugebieten wird der Furmint kultiviert.

Die Rebsorte ist spät reifend, was sie anfällig für den ersten Frost des Jahres macht. Die Weine sind jedoch sehr extraktreich und weisen teilweise Alkoholgehalte von über 13 Vol.-% auf.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Furmint
Infografik zur Rebsorte Furmint
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Furmint
Infografik zur Rebsorte Furmint


Blauburger

Bei der Rebsorte Blauburger handelt es sich – vergleichbar zum Goldburger – um eine Neuzüchtung aus den Gärten der staatlichen Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau im niederösterreichischen Klosterneuburg. Der Züchter ist auch hier Friedrich Zweigelt, der die Sorte dort 1923 aus Blauem Portugieser und Blaufränkischem züchtete. In Österreich wird die Sorte vor allem im niederösterreichischen Weinviertel kultiviert. Weitere Bedeutung findet sie im ungarischen Weinbau. Aufgrund der dunklen Farbe dient der Blauburger häufig als Verschnittpartner für weniger farbintensive Weine. Die Bevorzugung im Anbau wird durch die vergleichsweise geringen Ansprüche an Boden und Klima sowie hohe und regelmäßige Erträge der Rebe unterstützt.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Blauburger
Infografik zur Rebsorte Blauburger
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Blauburger
Infografik zur Rebsorte Blauburger

Blauer Wildbacher

Der Blaue Wildbacher wird in Österreich vor allem für die Herstellung des rosafarbenen Schilchers verwendet. Die Herstellung ähnelt der des Roséweins. Die Traube wird bevorzugt in der Weststeiermark kultiviert. Vereinzelt wird die Rebsorte auch zu Rotweinen ausgebaut, die durch ein markantes Aroma auffallen und überzeugen – teilweise sogar mit Prädikat. Die Aromen kommen am besten im jungen Wein zur Geltung. Die Weine sind nur bedingt lagerfähig.

Die Rebe stellt hohe Ansprüche an die Lage. Eine warme Umgebung ist förderlich für das Wachstum, ein luftiger Standort verhindert die Fäulnisbildung unter dem Blattwerk.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Blauer Wildbacher
Infografik zur Rebsorte Blauer Wildbacher
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Blauer Wildbacher
Infografik zur Rebsorte Blauer Wildbacher

Ráthay

Der Ráthay ist eine rote Weinsorte, die nach dem Ungarn Emmerich Ráthay benannt ist. Er war Direktor des oenologisch-pomologischen Instituts der Weinbauschule Klosterneuburg. Dort wurde die Sorte im Jahre 1970 durch Gertrude Mayer aus den Sorten (Seyve Villard 18-402 x Blaufränkisch) und Blauburger neu gezüchtet. In Österreich hat der Ráthay die geringste Anbaufläche aller Rotweinsorten inne und gilt daher als echter Geheimtipp.

Aufgrund der tiefroten Farbe wird er häufig als Verschnittpartner für weniger farbintensive Rotweine herangezogen. Die Sorte zeichnet sich durch Frosthärte und geringe Anfälligkeit für Pilzkrankheiten aus, was sie besonders für den biologischen Weinbau interessant macht.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Ráthay
Infografik zur Rebsorte Ráthay
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Ráthay
Infografik zur Rebsorte Ráthay

Roesler

Auch der Roesler hat seinen Ursprung in Klosterneuburg. An der dortigen staatlichen Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau wurde die Rebsorte 1960 ebenfalls von Gertrude Meyer gezüchtet. Der Name erinnert dabei an Leonhard Roesler, einen führenden Wissenschaftler des Instituts, der dort Ende des 19. Jahrhunderts wirkte. Ähnlich zum Ráthay überzeugt der Roesler durch eine gute Frosthärte und die relativ geringe Anfälligkeit für Pilzkrankheiten. Aus diesen Gründen eignet sich die Sorte besonders für den Bioweinbau. Auch die tiefrote Farbe erinnert an den Ráthay, sodass sich der Roesler ebenfalls als Verschnittpartner für farbärmere Weine eignet. Im Jahr 2000 wurde die Rebe in Österreich als Qualitätssorte zugelassen.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Roesler
Infografik zur Rebsorte Roesler
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte Roesler
Infografik zur Rebsorte Roesler

St. Laurent

Die Rebsorte St. Laurent stammt aus der Burgunderfamilie. Ihre Herkunft ist jedoch bis heute nicht vollends geklärt. Ursprünglich womöglich aus dem Elsass stammend wurde sie in Österreich erstmals im Jahr 1860 urkundlich erwähnt und zunächst in Klosterneuburg kultiviert. Mittlerweile erfreut sich die Rebe in Österreich stetig wachsender Beliebtheit und wird bei steigender Anbauflächen vor allem am Neusiedler See und in der Thermenregion kultiviert. Auch in Deutschland, Tschechien und der Slowakei wird St. Laurent angebaut.

Die Beerenhaut zeichnet sich durch eine mittlere Dicke aus, wodurch die Beere weniger anfällig für Verletzungen ist als vergleichbare Sorten. Durch hohe Ansprüche an Lage und Boden bei eher niedrigeren Erträgen war die Sorte unter Winzern nicht immer beliebt. Die fertigen Weine überzeugen jedoch durch ein intensives Aroma von Sauerkirschen und Waldbeeren.

Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte St. Laurent
Infografik zur Rebsorte St. Laurent
Farbe, Aromen, Säure, Anbaugebiete Rebsorte St. Laurent
Infografik zur Rebsorte St. Laurent

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