Wie entsteht der Preis einer Flasche Wein?

Weinflaschen gibt es in allen möglichen Preiskategorien zu kaufen. Im Supermarkt oder Discounter erhält man sehr günstige Weine schon für um die 2 Euro. Hochwertigere Tropfen kosten deutlich mehr. Aber wie setzt sich eigentlich der Flaschenpreis zusammen? Hängen die großen Preisunterschiede wirklich nur mit der Qualität zusammen? Und wenn ja, welche Qualitätsmerkmale sind entscheidend?

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  • 15.10.2021
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Geldschein
© webandi/pixabay.com

Um eine Flasche Wein ins Regal zu bringen, sind viel Arbeit und mitunter hohe Investitionen nötig. Winzer müssen Kosten vom Weinberg über den Weinkeller und Materialien zur Abfüllung bis hin zum Marketing berücksichtigen, um den richtigen Preis für ihren Wein zu kalkulieren. Vor diesem Hintergrund scheint es fast unmöglich, dass es Weine für 2, 3 oder 4 Euro zu kaufen gibt. Was bleibt dem Winzer davon als Gewinn über? Und was macht hochpreisige Weine in der Herstellung teurer? Oder wird hier einfach nur eine höhere Marge berechnet?

Welche Faktoren entscheiden über den Weinpreis?

Kurz zusammengefasst:

Kosten im Weinberg, zum Beispiel Ertrag der Ernte, Arbeitszeit, Löhne, Kosten für Maschinen, Pflanzenschutz, Kosten für neue Reben, Pachtkosten…

Kosten im Weinkeller, zum Beispiel für Flaschen, Tanks, Kellerei-Maschinen, Arbeitszeit, Löhne, Analysekosten, Gebäudekosten…

Materialkosten, zum Beispiel Flasche, Verschluss, Etikett, Karton…

Vertrieb, zum Beispiel Marketing, Verhandlungen, Auslieferung…

Warum sind die Preise für Weine so unterschiedlich?

Bei der oben aufgeführten Ansicht könnte man meinen, dass die Preise für eine Flasche Wein recht ähnlich sein müssten. Jeder Winzer hat immerhin ähnliche Kosten im Weinberg, im Weinkeller, fürs Material und für den Vertrieb. Weit gefehlt: Denn schon kleine Unterschiede können große Auswirkungen haben. Zum Beispiel wirkt sich die Erntemenge deutlich auf den späteren Preis aus. Auch die Art und Weise, wie geerntet wird, zum Beispiel mit Maschinen oder per Hand, ist entscheidend. Materialkosten werden umso günstiger, je mehr Wein produziert und abgefüllt wird. Kleine Betriebe haben also unter Umständen höhere Kosten pro Flasche. Auch die Verschlussart ( Schraubverschluss oder Naturkork, mit oder ohne Kapsel), die Gestaltung des Etiketts und weitere Feinheiten können den Preis deutlich in die eine oder die andere Richtung treiben. Zu guter Letzt kommt es natürlich auch auf den Ausbau des Weins an. Werden chemische Zusatzstoffe angewendet, um möglichst schnell möglichst viel Wein herzustellen? Erfolgt ein aufwendiger Ausbau im Holzfass?

Dr. Jürgen Oberhofer vom Institut für Weinbau & Oenologie zeigt in einer beispielhaften Kostenaufstellung, wie die Investitionen schwanken können.

Kosten im Weinberg pro Hektar

Literflasche

Ortswein

Lagenwein

Spitzenwein

Erntemenge (hl)

105

80

50

30

Arbeitszeit

200

200

200

200

Arbeitslohn

3.600€

3.600€

3.600€

3.600€

Laubwandmanagement

/

660€

990€

1.540€

Handlese

/

330€

2.200€

2.200€

Maschinen

3.502€

3.502€

2.802€

2.802€

Pflanzenschutz

850€

950€

950€

950€

Reben

1.500€

1.500€

1.500€

1.500€

Buchführung, Abgaben, etc.

1.000€

1.000€

1.000€

1.000€

Pacht

1.200€

1.200€

1.200€

1.200€

Kosten gesamt

11.652€

12.742€

14.242€

14.792€

Kosten pro Flasche

1,11€

1,19€

2,14€

3,70€

Quelle: Dr. Jürgen Oberhofer, 2019, DLR Rheinpfalz, Institut für Weinbau & Oenologie, abgebildet auf meiniger.de

Kosten im Keller pro Flasche

Literflasche

Ortswein

Lagenwein

Spitzenwein

Flaschen pro ha

10.500

10.667

6.667

4.000

Flaschengröße (l)

1

0,75

0,75

0,75

Gebäude

0,42€

0,32€

0,32€

0,32€

Tank

0,06€

0,04€

0,09€

0,09€

Kellerei-Maschinen

0,13€

0,09€

0,09€

0,09€

Weinausbau

0,08€

0,06€

0,15€

0,15€

Holzausbau Halbstück (Weißwein)

/

/

/

0,38€

Analyse und QbA

0,04€

0,03€

0,13€

0,13€

Variable Kosten

0,09€

0,07€

0,07€

0,07€

Steuerberater, Versicherung etc.

0,12€

0,12€

0,12€

0,12€

Umsatzsteuer

0,30€

0,31€

0,53€

0,76€

Kosten gesamt

1,23€

1,03€

1,49€

2,10€

Quelle: Dr. Jürgen Oberhofer, 2019, DLR Rheinpfalz, Institut für Weinbau & Oenologie, abgebildet auf meiniger.de

Abfüllung und Ausstattung pro Flasche

Literflasche*

Ortswein*

Lagenwein**

Spitzenwein***

Abfüllung

0,23€

0,23€

0,23€

0,23€

Flasche

0,24€

0,26€

0,88€

1,67€

Verschluss

0,10€

0,10€

0,60€

0,70€

Kapsel

/

/

0,07€

0,30€

Etikett

0,07€

0,09€

0,22€

0,22€

Karton

0,06€

0,06€

0,09€

0,09€

Sonstiges

0,10€

0,10€

0,10€

0,10€

Kosten gesamt

0,80€

0,84€

2,19€

3,31€

Quelle: Dr. Jürgen Oberhofer, 2019, DLR Rheinpfalz, Institut für Weinbau & Oenologie, abgebildet auf meiniger.de

*Schraubverschluss, BVS, Selbstklebeetikett

**Naturkork, Selbstklebe-Vorder-und-Rückenetikett, Anroll Kapsel polylaminat

*** Naturkork, Selbstklebe-Vorder-und-Rückenetikett, Anroll Kapsel Zinn

Inklusive Marketing belaufen sich die Kosten bis hierhin auf

  • 3,47€ für die einfache Literflasche
  • 3,39€ für den Ortswein
  • 6,14€ für den Lagenwein
  • 9,43€ für den Spitzenwein

Hinzu kommen noch 30% Gewinn für den Winzer, Mehrwertsteuer und Kosten für den Vertrieb und die Auslieferung, sodass die Summe pro Flasche schließlich

  • 6,82€ für die einfache Literflasche
  • 6,71€ für den Ortswein
  • 10,96€ für den Lagenwein
  • 16,05€ für den Spitzenwein

beträgt.

Was bleibt dem Winzer am Ende übrig?

Ungefähr 80 Prozent der Weine werden in Deutschland im Supermarkt oder Discounter verkauft. Natürlich greifen die meisten Menschen hier eher zu den günstigen Angeboten.

Das Weinportal Wein am Limit gibt ein Rechenbeispiel für eine 2,99 Euro teure Weinflasche:

„Wenn ein Wein für € 2,99 im Laden steht, dann kann man davon erst einmal Folgendes abziehen: Die Mehrwertsteuer von 19 %, so dass noch € 2,51 übrigbleiben. Dann ist da natürlich die Marge, die wir im LEH mit 35 % ansetzen. Somit stehen wir aktuell bei € 1,63. Die Kosten für das Füllen des Weines, des Transports, des Glases, der Etiketten und des Korkens sowie des Drehverschlusses liegen im Basissegment bei ca. € 1.30. Nehmen wir einmal einen Dumpingpreis von € 0,90, dann landen wir bei € 0,73. Da hat der Produzent allerdings noch keinen Gewinn gemacht. Es sind auch noch keine chemischen Zusätze, Hefen und Enzyme mit eingereicht, keine Arbeitslöhne für Kellereifachkräfte, keine Kosten für Vollerntemaschinen, keine Schmiermittel und kein Benzin.“

Zusammengefasst:

  • Mehrwertsteuer: 0,48€
  • Verkaufsmarge: 0,90€
  • Material & Transport: 0,90€
  • Weinkeller: 0,24€
  • Weinberg: 0,24€
  • Vertrieb & Marketing: 0,06€
  • Rohgewinn: 0,09€

Quelle: Wein am Limit

Bei einem teureren Wein für 29,99 Euro sieht die Rechnung schon ganz anders aus:

  • Mehrwertsteuer: 4,79€
  • Verkaufsmarge: 12 €
  • Material & Transport: 2,10€
  • Weinkeller: 1,26€
  • Weinberg: 4,11€
  • Vertrieb & Marketing: 3,10€
  • Rohgewinn: 2,63€

Quelle: Wein am Limit


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