Alternative Weinverpackungen: Bag-in-Box, Dosen, PET oder Papierflasche

Neben der Standard-Weinflasche gibt es mittlerweile viele alternative Verpackungsformen. Bag-in-Box, PET-Flaschen oder sogar Papierflaschen sind möglich. Auch Wein aus Dosen gibt es zu kaufen. Doch was taugen die alternativen Verpackungen? Welche sind empfehlenswert und ggf. sogar nachhaltig?

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  • 22.10.2021
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Verpackungsart: Getränke in Dosen
© OlegDoroshin/www.shutterstock.com

Die Qualität der Trauben und deren Verarbeitung sind entscheidend für die Güte des Weines. Doch liegt eine weitere Herausforderung darin diese Qualität und den vollen Geschmack auf dem Weg zum Endverbraucher bestmöglich zu erhalten. Ein entscheidender Faktor hierfür ist die Wahl der Verpackung für die Weine. In der Antike und im Mittelalter waren Weinschläuche, Amphoren oder Fässer das Mittel der Wahl für Weinlagerung und -transport. Später hat sich dann die Glasflasche als geeignete Verpackung etabliert. Noch heute werden die meisten Weine in dieser Form gehandelt. Doch drängen auch alternative Verpackungen wie Dosen, PET-Flaschen, Beutel oder sogar Papierflaschen mehr oder weniger erfolgreich auf den Markt. Deren Verwendung ist in Fachkreisen jedoch oft nicht unumstritten.

Die Grundanforderung an eine Weinverpackung ist zunächst eine minimale Beeinflussung von Weinqualität und -geschmack. Der Sauerstoffeintrag, die Lichtdurchlässigkeit oder der Übergang bestimmter Stoffe von der Verpackung in das Produkt – dieser Vorgang heißt Migration – sollen vermieden werden. Weitere beeinflussende Faktoren bei der Verpackungswahl können Design, Gewicht, Innovation oder das Handling sein. Aus ökologischen und ökonomischen Gründen setzten viele Winzer in den vergangenen Jahren bereits auf eine leichtere Glasflasche als bisher. Doch gibt es auch verschiedene Alternativen zur Glasflasche bei der Verpackung des Weines, die wir Ihnen mit ihren jeweiligen Vor- und Nachteilen an dieser Stelle vorstellen möchten.

Wein aus der Bag-in-Box

Das Bag-in-Box-System – oft auch kurz als „BiB“ bezeichnet – ist als legitimer Nachfolger der historischen Weinschläuche zu sehen, die noch aus Ziegenhaut oder ähnlichen Materialien gefertigt wurden. Das moderne BiB-System gilt als Alternative zur Glasflasche, jedoch nicht mehr als echte Innovation. Es wurde bereits in den 1950er Jahren in den USA entwickelt und fand fortan vor allem in den englischsprachigen Ländern Verwendung.

Bag-in-Box bedeutet frei übersetzt so viel wie „Tüte im Karton“. Dabei wird ein Schlauch aus Kunststoff oder Aluminium ohne Lufteinschluss mit Wein oder anderen Getränken – Apfelsaft ist hier ebenfalls beliebt – gefüllt und verschlossen. In den Beutel, der nach Befüllen in den Karton gelegt wird, ist ein Zapfhahn integriert. Die beliebtesten angebotenen Volumina liegen bei zwei bis fünf Litern, worin auch der häufige Ausschank auf Gartenfesten oder Geburtstagspartys begründet liegt. Aus dem Zapfhahn kann problemlos und verlustfreit in ein Glas gezapft werden. Der Umkarton verhindert den qualitätsmindernden Lichteinfall, durch die Vakuumverpackung wird nahezu kein weinschädlicher Sauerstoff eingetragen. Außerdem tritt beim Zapfen kein Sauerstoff ein, sodass auch nach Anbruch noch eine Lagerung über mehrere Wochen problemlos möglich ist.

Durch das quaderförmige Format sind ein einfaches Stapeln der Kartons und eine platzsparende Lagerung möglich. Die kostengünstige Verpackung spiegelt sich folglich auch im Literpreis dieser Produkte wider.

Für lagerfähige Weine, die ihr volles Aroma erst nach mehreren Jahren entfalten, ist das Bag-in-Box-System hingegen weniger geeignet. Es sollte daher eher für Weine verwendet werden, die frisch zu genießen sind.

Wein aus Dosen

Die Dose als Verpackung für Wein wurde von Weinkennern zunächst verpönt, erfreut sich jedoch in den letzten Jahren besonders in den USA als Format mit „Szene-Charakter“ vor allem bei jüngeren Leuten stetig steigender Beliebtheit. Dieser Trend schwappt langsam auch nach Europa über. Besonders kleine Gebinde mit einem Fassungsvermögen im Bereich von 250 ml sind beliebt, da kein zusätzliches Equipment wie Gläser oder Korkenzieher benötigt werden und unmittelbar aus der Dose getrunken werden kann.

Auch in puncto Qualität weiß die Dose zu überzeugen. Sie schützt den Wein vor Licht und Sauerstoff aus der Umgebung: Einflussfaktoren, die die Weinqualität mindern würden. Außerdem ist das Material leicht und bruchsicher, wodurch der Wein in der Dose für den „to-go-Verzehr“ noch attraktiver wird. Auch zahlreiche Fluglinien haben diese Produkte aus besagten Gründen bereits in ihr Programm an Board aufgenommen. Gleichzeitig bietet die gesamte Dose ausreichend Platz für ein ansprechendes und innovatives Design. Jedoch ist die Lagerfähigkeit des Weins nur Mittelmaß: Tests zeigen, dass eine Lagerdauer von zwei Jahren – natürlich stets in Abhängigkeit des abgefüllten Weines – nicht überschritten werden sollte.

Der Wein in der Dose ist eine gute Möglichkeit das Produkt Wein für ein junges Publikum zu öffnen und attraktiver zu gestalten, gestandene Weintrinker werden jedoch davon voraussichtlich nicht mehr zu überzeugen sein.



Wein aus PET-Flaschen

Für alkoholfreie Getränke waren Flaschen aus PET in den letzten Jahren stets sehr beliebt. Sie sind bruchsicher, leicht und bergen nur geringe Verletzungsrisiken. Auch der immer wieder kolportierte Übergang von sogenannten Weichmachern in das Produkt kann bei modernen PET-Flaschen nicht bestätigt werden. Doch ist auch Wein in solchen Flaschen aus Kunststoff vorstellbar? Besonders versierten Weinkennern scheint diese Vorstellung schwerzufallen.

Dennoch haben insbesondere die vorstehend genannten Vorteile Winzer dazu gebracht, ihre Weine in PET-Flaschen abzufüllen. Vor allem kleinere Formate bis 500 ml sind mittlerweile als „to-go-Produkte“ beliebt. Das geringe Gewicht – es liegt bei ca. 10 % einer Glasflasche vergleichbarer Größe – und die Bruchsicherheit machen das Gebinde ähnlich wie die Dose auch für Fluglinien oder Großveranstaltungen attraktiv. Ebenfalls sinken die Transportkosten durch das geringere Gewicht, die Verbraucherfreundlichkeit steigt hingegen. Ein weiterer Vorteil liegt in der guten Recyclingfähigkeit des Materials. Leider kann die PET-Flasche hinsichtlich Sauerstoffmigration und Lichteinstrahlung nicht überzeugen. Die Lagerfähigkeit der Weine ist daher nur sehr begrenzt.

Papierflaschen und andere Besonderheiten

Neben BiB-Systemen, Dosen oder PET-Flaschen haben Winzer ihre Weine in den vergangenen Jahren auch in weiteren, oft kuriosen Verpackungen auf den Markt gebracht. Meist standen hier wohl der Marketingeffekt oder der Innovationsgedanke im Vordergrund.

So hat ein Italiener eine Weinflasche aus Eichenholz unter dem Namen „Ponocchio-Flasche“ herausgebracht. Eine Weinlagerung im Holzfass mag noch verbreitet sein, aber eine Flasche aus diesem Material erscheint ungewöhnlich. Die Weine werden mittlerweile in über 50 Länder exportiert.

Ebenfalls in Italien wurde eine weitere Kuriosität entwickelt: die Papierflasche. Unter dem Namen „Frugal Bottle“ wird aus recycelter Pappe eine Weinflasche hergestellt. Eine lebensmittelgerechte Innenbeschichtung schützt den Wein und verhindert ein Durchweichen. Diese Flasche gilt als besonders nachhaltig und überzeugt durch ein sehr geringes Eigengewicht.

Nicht sonderlich innovativ, aber dennoch an dieser Stelle zu erwähnen, ist der Wein im Tetra Pak. Obwohl diese Verpackung eine gute Barriere für Sauerstoff und einfallendes Licht darstellt sowie durch eine optimale Recyclingfähigkeit überzeugt, findet sie vor allem im Bereich der Discounter für Weine geringer Qualitäten Verwendung. Eine Aufwertung des Images dieser Verpackung in den kommenden Jahren scheint dabei nur schwer vorstellbar.


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