Rebkrankheiten & ihre Auswirkungen

Im Weinbau steht die Qualität an erster Stelle. Qualitativ hochwertige Weine bei guten Erträgen sind das Ziel eines Winzers. Beide Faktoren werden vom Standort eines Rebstocks beeinflusst – meist stehen dabei die Bodenverhältnisse und die klimatischen Voraussetzungen im Vordergrund der Betrachtung. Doch können Qualität, Ertrag und auch das Rebenwachstum massiv vom Befall der Rebe mit Krankheiten beeinflusst werden.

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Weintrauben
© Somogyi Laszlo/www.shutterstock.com

Auch bei der Auswahl einer Rebe im Anbau sollte die Anfälligkeit für Rebkrankheiten berücksichtigt werden. Im Folgenden erläutern wir Ihnen die wichtigsten Rebkrankheiten und ihren Einfluss auf Rebe und Wein.

Die Rebkrankheiten als solche lassen sich klassifizieren. Am weitesten verbreitet sind Pilzkrankheiten, die sich teilweise noch unter Anwendung von Fungiziden eindämmen lassen. Weitere Krankheiten können durch Viren- oder Bakterienbefall ausgelöst werden, welche oft nicht durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln eingedämmt werden können. Auch der Befall mit Schädlingen wird meist zu den Rebkrankheiten gezählt. Die Folgen der Krankheiten sind vielfältig: Angefangen bei einer Verfärbung von Beere und Blatt über den Befall von Teilen des Rebstocks bis hin zum Absterben der gesamten Pflanze.

Manche Krankheiten sind bereits seit vielen Jahrhunderten im europäischen Raum bekannt, andere wurden über die Jahre aus anderen Teilen der Welt eingeschleppt. Die klimatischen Veränderungen haben ebenfalls einen Einfluss auf die Ausbreitung bestimmter Krankheiten im Weinbau. Vor oder während der Weinlese werden die betroffenen Beeren, wenn möglich, aussortiert, da sie den Wein in Geruch und Aroma negativ beeinflussen. Hierfür sind meist erfahrene Erntehelfer im Einsatz.

Pilzkrankheiten

Die Pilzkrankheiten haben im Weinbau die größte Bedeutung. Die bekanntesten Vertreter sind Falscher und Echter Mehltau oder die Graufäule. Alle drei sind dem interessierten Weinkenner mit Sicherheit bereits bekannt. Bei der Züchtung neuer Sorten in den hiesigen Forschungsanstalten wird die Resistenz einer Rebsorte gegen bestimmte Pilzkrankheiten ebenfalls mit großer Sorgfalt beobachtet und ist maßgebend für den Züchtungserfolg.

Echter Mehltau (Oidium)

Der Echte Mehltau hat seinen Ursprung nicht in Europa. Er wurde aus Amerika eingeschleppt und auf dem europäischen Kontinent erstmals im Jahre 1845 nachgewiesen. Der Pilz ist mittlerweile in nahezu allen Weinbaugebieten Europas verbreitet. Er kann alle grünen Teile der Pflanze wie Blätter, Beeren und Triebspitzen befallen. Dies wird durch einen grauen Schleier, der in seiner Form einem Spinnennetz ähnelt, sichtbar. Die befallenen Triebe werden im Wachstum gehemmt. Außerdem können sich betroffene Beeren verfärben, hart werden und aufplatzen. Durch heiße Tage und kühle Nächte wird die Ausbreitung dieser Pilzkrankheit gefördert. Der Winzer kann durch den Einsatz von ausgewählten Fungiziden und Schwefel im Weinberg gegensteuern.

Falscher Mehltau (Peronospora)

Eine weitere bekannte Rebkrankheit ist der Falsche Mehltau – auch bekannt unter dem Namen Peronospora. Dieser Pilz wurde – analog zum Echten Mehltau – aus Amerika eingeschleppt und in Europa erstmal im Jahr 1878 nachgewiesen. Die Krankheit ist unter Winzern gefürchtet, da sie erhebliche Schäden im Weinberg verursachen kann. Der Pilz befällt alle grünen Teile des Weinstocks. Die Blattunterseiten sehen aus, als seien sie mit Mehl bestäubt. In der Folge vertrocknen die Blätter, die Rebe verliert sämtliches Laub. Außerdem werden kleine, eingeschrumpfte Beeren gebildet, die auch als Lederbeeren bezeichnet werden. Die Ausbreitung des Falschen Mehltaus wird durch eine feuchte Witterung begünstigt. Als Prophylaxe dient dem Winzer das Zurückschneiden des Laubs, um eine luftige Blätterwand zu erzeugen. So kann das Laub rasch abtrocknen und die Ausbreitung des Pilzes gehemmt werden. Des Weiteren können organische oder kupferhaltige Fungizide eingesetzt werden. Mit Hilfe spezieller Frühwarnsysteme kann der Fungizid-Einsatz heute besser gesteuert und auf ein notwendiges Minimum reduziert werden.

Graufäule (Botrytis)

Diese Pilzkrankheit ist auch unter den Synonymen Grauschimmel, Sauerfäule oder Edelfäule bekannt und für den Winzer Fluch und Segen zugleich: Ein früher Befall der Beeren während des Wachstums führt zur Verfärbung der Beeren und zum verfrühten Abfallen. Man spricht von der Sauerfäule. In dieser Zeit kann der Pilz auch die Stiele der Traube befallen. Dies bezeichnet man als Stielfäule. Auch hier fallen die Beeren verfrüht ab.

Bei einem Befall lesereifer Trauben während eines feuchten Herbstes kann hingegen die gewünschte Edelfäule entstehen. Hierbei sorgt der Pilz für eine Perforation der Beerenhaut. Die eingelagerte Flüssigkeit kann nun durch die Einstrahlung der Herbstsonne verdunsten, der Zuckergehalt in der Traube wird konzentriert und das Mostgewicht steigt. Auf diese Weise erhält der Winzer das Material für die Herstellung von Weinen bester Qualitäten wie der Beerenauslese oder der Trockenbeerenauslese.
Durch das Zurückschneiden des Laubs und die damit einhergehende Belüftung der Trauben kann die Ausbreitung der Graufäule eingedämmt werden. Auch eine angepasste Düngung der Rebe kann Abhilfe schaffen.

Roter Brenner

Der Name dieser Pilzkrankheit leitet sich vom Aussehen befallener Rebstöcke ab: Die Blätter sehen aus als seien sie verbrannt oder versengt. Bei weißen Rebsorten verfärben sich die betroffenen Blattbereiche gelb bis braun, bei roten Sorten sind rubinrote Flecken zu beobachten. Der Pilz verstopft die wasserführenden Kapillaren im Blatt, wodurch diese Bereiche absterben. Später verdorrt das Laub gänzlich und fällt ab. Die Beeren werden dadurch in ihrer Entwicklung und ihrem Wachstum gehemmt. Der Fungizid-Einsatz zur Bekämpfung dieser Pilzkrankheit ähnelt dem zur Bekämpfung des Falschen Mehltaus.

Schwarzfleckenkrankheit

Die Schwarzfleckenkrankheit zählt ebenfalls zu den Pilzkrankheiten und tritt vermehrt in den niederschlagsreichen Regionen Europas auf. Befallene Pflanzenteile weisen schwarze Flecken auf, die sich sukzessive vergrößern. Dadurch sterben Teile der Pflanze ab. Die Rebe wird in ihrer Entwicklung gehemmt und in der Folge sinken die Ernteerträge.

Esca

Die Krankheit befällt direkt das Holz eines Weinstocks. Esca wurde bereits im antiken Rom beschrieben. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich die Pilzkrankheit ebenfalls in den nördlicheren Weinbaugebieten Europas verbreitet. Bei der Bekämpfung ist zu berücksichtigen, dass sich die Krankheit nicht durch herkömmliche Fungizide, Schwefel oder Kupferpräparate eindämmen lässt. Die beste Vorbeugemaßnahme ist daher ein sanfter Rebschnitt ohne zu große Beanspruchung des Holzes.



Viruskrankheiten

Viruserkrankungen treten nicht nur bei Menschen oder Tieren, sondern auch bei Pflanzen auf. Somit können Rebstöcke ebenfalls befallen werden. Die Viren werden dabei beispielsweise von Läusen übertragen. Eine der bekanntesten Krankheiten dieser Art ist die Blattrollkrankheit. Dabei verfärben sich zunächst die Blätter der Rebe und rollen sich in der Folge auf. In den Folgejahren werden die Pflanzentriebe dünner, der Ertrag wird geringer.
Auch die Wurzel der Rebe kann von Viren befallen sein, wodurch der Ertrag geschmälert wird. Bei Voranschreiten der Krankheit bleibt oft nur noch die Rodung des Weinbergs. In einem solchen Fall sollten die Wurzeln im Boden möglichst rückstandslos entfernt werden und die Flächen vor der erneuten Bepflanzung über einen längeren Zeitraum brach liegen. So kann den Überträgern die Lebensgrundlage entzogen und ein erneuter Ausbruch der Krankheit verhindert werden.

Schädlingsbefall

Der Befall eines Weinbergs mit Insekten und anderen Schädlingen kann ebenfalls zur Minderung von Wachstum und Ertrag führen und wird daher landläufig auch zu den Rebkrankheiten gezählt. Häufig sind die Schädlinge – beispielsweise bei Schädigung der Beerenhaut – auch Ursache für einen späteren Pilzbefall.

Traubenwickler

Zu den bekanntesten Schädlingen im Weinberg zählen die Raupen des Traubenwicklers. Sie beschädigen die Haut der noch unreifen Beeren. Auf diese Weise können die Beeren leichter vom Botrytis-Pilz befallen und geschädigt werden. Als Bekämpfungsmaßnahme kann der Winzer Insektizide einsetzen. Dabei ist jedoch der korrekte Zeitpunkt der Ausbringung – nämlich der Höhepunkt der Traubenwickler-Population – von entscheidender Bedeutung.

Rebstecher

Der Rebstecher ist ein Käfer, der die Blätter und Knospen der Rebe anfrisst. Er legt seine Eier auf den Blättern der Pflanze ab. Eine Bekämpfung ist jedoch meist nur bei verstärktem Auftritt des Käfers notwendig.

Rote Spinne

Auch Milben können Schäden am Rebstock verursachen. Eine der bekanntesten Vertreterinnen ist die Rote Spinne – eine Spinnmilbenart. Sie leben auf der Blattunterseite. Die Larven der Roten Spinne saugen an den Blättern und unterbinden damit die hinreichende Versorgung der Pflanze mit Nährstoffen. Mögliche Folgen sind die Zerstörung der Blätter, die Hemmung des Pflanzenwachstums, eine verzögerte Beerenreife oder eine Verringerung des Mostgewichts und damit Einbußen im Ertrag. Zur Bekämpfung können sogenannte Raubmilben eingesetzt werden, die – wenn nicht natürlich im Weinberg vorkommend – vom Winzer ausgesetzt werden. Diese Raubmilben saugen die schädigenden Milben aus und machen den Einsatz von Insektiziden somit überflüssig.

Reblaus

Ein weiterer bekannter Schädling im Weinbau ist die Reblaus. Sie zählt zu den Zwergläusen und wurde im 19. Jahrhundert aus Amerika in Europa eingeschleppt. Es wird vermutet, dass es verschiedene Reblaus-Arten gibt. Sie können das Wachstum der Rebe hemmen und bei Befall der Wurzel sogar das Absterben der Pflanze herbeiführen. Auch kann durch einen Reblaus-Befall die Sekundärinfektion durch Pilze oder Viren begünstigt werden. Die Ausbreitung der Reblaus kann bei Neubepflanzung des Weinbergs durch Wahl einer geeigneten Unterlagsrebe verhindert werden.

Grüne Rebzikade

Ein schädigendes Fluginsekt mit Relevanz für den Weinbau ist die Grüne Rebzikade. Sie galt als nahezu ausgestorben, ist in den vergangenen Jahren jedoch wieder verstärkt in Weinbergen aufgetreten. Die Grüne Rebzikade saugt an den Bahnen zur Nährstoffversorgung im Blatt – ein Nährstoffmangel und Einschränkungen im Wachstum sind die Folge für den Rebstock.


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