Alkoholfreier Wein: Herstellung, Geschmack, Vorteile

Bestimmt kennen Sie das: Sie möchten sich am Abend das eine oder andere Gläschen Wein gönnen, aber plötzlich überkommt Sie das schlechte Gewissen. Denn Sie wollen nicht zu oft zum Alkohol greifen. Eine mögliche Alternative kann dann alkoholfreier Wein sein. Aber was hat es damit eigentlich auf sich? Wie wird er hergestellt? Und schmeckt er am Ende genauso gut wie herkömmlicher Wein?

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Rotwein
© Arthur Brognoli/www.pexels.com

Alkoholfreier Wein wird immer beliebter. Zwar liegt der Marktanteil laut Schätzungen des Deutschen Weininstituts aktuell noch bei unter einem Prozent, allerdings sei ein Aufwärtstrend zu verzeichnen. Gründe dafür gibt es viele. Oft wird alkoholfreier Wein als Alternative genutzt, um zum Beispiel in geselliger Runde mit anstoßen zu können, um am Straßenverkehr teilnehmen zu können oder um grundsätzlich den eigenen Alkoholkonsum zu reduzieren.

Ein allgemeiner Abwärtstrend beim Alkohol- bzw. Weinkonsum lässt sich in den vergangenen Jahren deutlich beobachten. Vor allem gesundheitliche Motive dürften dabei eine Rolle spielen. Wie die DHS (Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen) ermittelt hat, ist der Pro-Kopf-Konsum an Reinalkohol zwischen 1980 und 2018 um ca. 4,4 Liter pro Jahr gesunken. In Österreich nimmt der Weinkonsum seit einigen Jahren ab. Der Gesamtverbrauch ist laut Statista.com zurückgegangen. „Der allmähliche, wellenförmige Rückgang wird mit dem gestiegenen Gesundheitsbewusstsein der Bevölkerung und einer erhöhten Zahl an Verkehrskontrollen in Verbindung gebracht“, heißt es. Auch in der Schweiz sei der Weinkonsum innerhalb der letzten 20 Jahre um ein Viertel gesunken.

Vorteile von alkoholfreiem Wein

  • gesünder
  • kalorienärmer
  • kann den Alkoholkonsum deutlich reduzieren
  • in Maßen gute Alternative, z.B. für Autofahrer, Schwangere etc.

Nachteile von alkoholfreiem Wein

  • leicht anderer Geschmack
  • nie komplett alkoholfrei
  • nicht für alkoholkranke Menschen geeignet

Wie wird alkoholfreier Wein hergestellt?

Um alkoholfreien Wein gewinnen zu können, muss zunächst einmal ganz normaler Wein hergestellt werden. Dafür ist grundsätzlich jeder Wein geeignet. Egal ob er nun rot, weiß, rosé, trocken, halbtrocken oder lieblich ist. Aber was verläuft beim Herstellungsprozess anders als bei herkömmlichem Wein? Zunächst einmal gar nichts. Denn die Entalkoholisierung findet nicht während der eigentlichen Herstellung statt, sondern im Anschluss daran. Der Wein wird nicht ohne Alkohol hergestellt – der Alkohol wird vielmehr im Nachhinein entzogen. Dazu gibt es verschiedene Verfahren, die sich jeweils unterschiedlich auf die Qualität des Weins auswirken.

3 mögliche Verfahren für alkoholfreien Wein

Umkehrosmose

Bei der sogenannten Umkehrosmose (auch Dialyse genannt) fließt der Wein durch eine sehr feinporige Membran, wodurch die Alkoholmoleküle von der restlichen Flüssigkeit getrennt werden. Dieser Prozess dauert mehrere Stunden und kann sich deutlich auf den Geschmack des Weins auswirken.

Dünnschichtverdampfung

Eine weitere Methode ist die sogenannte Dünnschichtverdampfung. Hierbei wird der Wein auf mindestens 78°C erhitzt. Ab dieser Temperatur verdampft der Alkohol. Gleichzeitig gehen durch die Erhitzung allerdings auch viele Aromen verloren und die Menge des Weins reduziert sich. Um diese Verluste auszugleichen, werden im Anschluss meist Traubensaft und Kohlensäure hinzugefügt. Allerdings erreicht der Wein dadurch längst nicht seinen ursprünglichen Geschmack. Dieser wird maßgeblich beeinflusst.

Vakuum-Methode

Die Vakuum-Methode ist das Verfahren, das den Wein am meisten schont. Die auf diese Weise entalkoholisierten Weine kommen ihrem Original recht nahe und die Weinaromen bleiben zu großen Teilen erhalten. Denn der Wein wird in ein Vakuum versetzt, wodurch sich die Siedetemperatur des Alkohols auf 27°C reduziert (statt vorherigen 78°C). Es benötigt also viel weniger Hitze, um den Alkohol verdampfen zu lassen. Weine können schon durch leichtes Erhitzen vom Alkohol befreit werden und haben deshalb weniger unter dem Verfahren zu leiden.

Wie schmeckt alkoholfreier Wein?

Egal, welches Verfahren der edle Tropfen durchläuft – sein Geschmack verändert sich durch den Entzug von Alkohol. Nicht nur die Nebeneffekte der oben beschriebenen Methoden wirken sich darauf aus, sondern auch das Fehlen von Alkohol an sich. Denn dieser ist ein wesentlicher Geschmacksträger, der auch durch die Zugabe anderer Inhaltsstoffe nicht ersetzt werden kann. Einen Unterschied zwischen herkömmlichem und alkoholfreiem Wein wird also jeder Weintrinker bemerken. Das Deutsche Weininstitut weist aber darauf hin, dass sich alkoholfreie Weine „dank neuer, aromaschonender Technologien in den letzten Jahren positiv weiterentwickelt“ haben. Wie so oft gilt letztendlich auch hier: Probieren geht über Studieren. Ob alkoholfreier Wein als Alternative infrage kommt, bleibt Geschmackssache.

Achtung: Alkoholfrei heißt nicht 0,0 Prozent

Grundsätzlich kann alkoholfreier Wein eine gute Alternative für Weintrinker sein, die bei gewissen Gelegenheiten auf Alkohol verzichten möchten. Wer zum Beispiel auf eine Party eingeladen ist, aber später noch Auto fahren möchte, trinkt besser ein Glas alkoholfreien Wein. Aber Achtung: Egal welchen Prozess der edle Tropfen zur Alkoholentziehung durchläuft – das Endprodukt ist niemals vollständig alkoholfrei.

Als alkoholfrei gelten alle Lebensmittel, die einen Gehalt von unter 0,5 Prozent haben. Mit einem Alkoholgehalt von 0,4 Prozent müssen Weintrinker also auch hier rechnen. Deshalb darf auch der Genuss von alkoholfreiem Wein nicht unterschätzt werden. Ein verantwortungsbewusster und kontrollierter Umgang ist auch bei alkoholfreiem Wein wichtig. Für Autofahrer oder Schwangere kann der alkoholfreie Wein in Maßen eine gute Alternative sein. Ein Gläschen am Abend ist durchaus erlaubt. Aber: Das bedeutet nicht, dass ein Autofahrer den ganzen Abend mehrere „alkoholfreie“ Getränke zu sich nehmen und im Anschluss noch Auto fahren darf. Ebenso sollten Schwangere nicht gleich mehrere Gläser alkoholfreien Wein auf einmal trinken.

Achtung: Für trockene Alkoholiker ist der alkoholfreie Wein keine Alternative! Sie sollten genauso auf alkoholfreien wie auch auf herkömmlichen Wein verzichten. Der Gehalt ist zwar deutlich geringer, trotzdem können die entalkoholisierten Getränke zu einem Rückfall führen.

Alkoholkonsum: Weniger ist mehr

Alkoholkonsum ist für den Körper immer eine Herausforderung. Moderate Mengen stellen jedoch kein großes gesundheitliches Risiko dar. Der sogenannte „risikoarme Konsum“ beträgt bei Frauen ein Standardglas pro Tag und bei Männern zwei Standardgläser pro Tag. Darauf weist die Initiative „Kenn dein Limit“ von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) hin. In beiden Fällen seien aber mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche erforderlich. Bei einem sogenannten Standardglas handelt es sich übrigens nicht um ein bis zum Rand gefülltes Weinglas, sondern um 0,125 Liter Wein. Ein Standardglas Sekt beträgt 0,1 Liter. Bei Bier sind es 0,3 Liter und bei Schnaps 4 cl.

Die empfohlene Menge beim Konsum von Alkohol pro Tag wird in Standartgläsern pro alkoholischem Getränk angegeben. Zusätzlich sollter jeder Konsument mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche beachten.
Alkoholkonsum - Empfohlene Mengen
Die empfohlene Menge beim Konsum von Alkohol pro Tag wird in Standartgläsern pro alkoholischem Getränk angegeben. Zusätzlich sollter jeder Konsument mindestens zwei alkoholfreie Tage pro Woche beachten.
Alkoholkonsum - Empfohlene Mengen

 

Hinweis: Alle Angaben gelten für gesunde Erwachsene!

So viel Wein trinken die Deutschen, Schweizer und Österreicher

Pro-Kopf-Verbrauch an Wein in Deutschland

Nach Angaben der DHS betrug der Weinkonsum in Deutschland im Jahr 2020 knapp 21 Liter pro Kopf. Schaumwein wurde deutlich weniger getrunken, nämlich ca. 3,3 Liter pro Kopf. Der Gesamtkonsum alkoholischer Getränke reduzierte sich 2020 um circa 3,7 Prozent gegenüber 2019.

JahrWeinSchaumwein
1990
21,9 l5,1 l
2000
19,0 l4,1 l
2010
20,5 l3,9 l
2012
20,8 l4,2 l
2016
21,1 l3,7 l
201820,5 l3,4 l
201920,1 l3,4 l
2020
20,7 l
3,3 l

Pro-Kopf-Verbrauch an Wein in Österreich

In Österreich wird pro Kopf etwas mehr Wein getrunken als in Deutschland. Laut Statista.com hat jeder Österreicher im Jahr 2020/21 durchschnittlich 25,7 Liter Wein getrunken. Auch in den vorherigen Jahren lag der Konsum bei ungefähr 26 bis 27 Liter pro Kopf. Deutlich höher war der Weinverbrauch im Jahr 2013/14: Hier haben die Österreicher im Schnitt 31,3 Liter Wein pro Kopf getrunken.

Pro-Kopf-Verbrauch an Wein in der Schweiz

Die Schweizer stellen in Sachen Weinkonsum ihre Nachbarn in den Schatten: Laut Statista.com haben die Schweizer im Jahr 2020 ca. 31,5 Liter Wein pro Kopf getrunken. Damit ist der Pro-Kopf-Verbrauch im Vergleich zu 2019 um knapp zwei Liter zurückgegangen. Ursache ist die Corona-Krise und die dadurch entstandenen Umsatzeinbrüche der schweizerischen Gastronomie. Insgesamt ist der Weinkonsum der Schweizer in den letzten 20 Jahre um ein gutes Viertel gesunken.


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