Die schönsten Weinregionen Deutschlands, Teil 2

Haben Sie schon mal über einen Wein-Urlaub nachgedacht? Weinregionen kombinieren Entspannung, Genuss und Kultur. Und das vor der eigenen Haustür. Denn eine Reise nach Frankreich oder Italien ist gar nicht notwendig – auch Deutschland hat in dieser Hinsicht einiges zu bieten.

09.09.2018
  • Lesezeit ca. 5:30 Minuten
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    09.09.2018
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Weinreben
© jill111/pixabay.com

Viele Deutsche zieht es für den Urlaub schon lange nicht mehr ins Ausland. Denn auch hierzulande können sie entspannte und aufregende Tage verbringen, die den Alltag vergessen lassen. Deutsche Weinregionen sind besonders attraktiv. Malerische Landschaften, kulturelle Einblicke, Gastfreundschaft und Genuss gehören hier zum Gesamtpaket. Wein- und Wellnessangebote laden zur genüsslichen Entspannung ein. Weinstraßen führen Wanderer und Fahrradfahrer durch die Region, Flüsse und Berge stehen für Bootstouren, Kajakfahrten, Wasserski- oder Kletterangebote zur Verfügung. In sogenannten Straußwirtschaften bieten Winzer regionale Speisen und Weine aus dem eigenen Anbau an. Wer sich für das volle Genussprogramm entscheidet, kann sogar auf dem Weingut übernachten.

Lesen Sie auch: Die schönsten Weinregionen Deutschlands, Teil 1

13 Anbaugebiete – Ein Überblick

Anbaugebiet

Rebfläche (Hektar)

Anteil weiß (Prozent)

Anteil rot (Prozent)

Ahr

564

15,8

84,2

Baden

15.818

58,2

41,8

Franken

6.124

81,1

18,9

Hessische Bergstraße

452

79,2

20,8

Mittelrhein

468

85,5

14,5

Mosel-Saar-Ruwer

8.792

90,4

9,6

Nahe

4.202

75,0

25,0

Pfalz

23.592

62,9

37,1

Rheingau

3.167

85,1

14,9

Rheinhessen

26.563

69,2

30,8

Saale-Unstrut

768

74,6

25,3

Sachsen

502

81,1

18,9

Württemberg

11.343

30,1

69,9

Insgesamt

102.425

64,9

35,1


Nahe: Vielseitige Weine aus vielseitiger Landschaft

Das Nahetal zwischen Mosel und Rhein wurde bereits 1935 in einer staatlichen Verfügung als eigene Weinanbauregion bezeichnet. Trotzdem nannte man die Weine noch lange danach Rheinweine. Das Weinanbaugebiet grenzt an den Rheingau und an Rheinhessen und die Weinberge erstrecken sich nicht nur auf das Nahetal, sondern auch auf die Umgebung der Nebenflüsse Guldenbach, Gräfenbach, Glan und Alsenz. Den Besucher erwarten eindrucksvolle Felsformationen, malerische Flusstäler und weite Grünflächen. Landschaftsbild und Bodenbeschaffenheit sind ebenso abwechslungsreich wie die daraus hervorgehenden Weine. Der Boden kann sich alle hundert Meter ändern – das beeinflusst den Geschmack der edlen Tropfen, sodass sich sogar innerhalb einer Rebsorte Unterschiede ergeben können.

Klima:
Ausgeglichen, mild, frost- und regenarm, durch Soonwald und Hunsrück vor kalten Nordwinden geschützt

Böden:
Schieferböden an der unteren Nahe, Buntsandstein, Porphyr und Melaphyr an der mittleren Nahe, Verwitterungsböden und Tonüberlagerungen aus Sandstein, Löss und Lehm bei Bad Kreuznach

Rebsorten:
Riesling, Müller-Thurgau, Kerner, Silvaner, Weißer Burgunder, Grauer Burgunder, Dornfelder, Spätburgunder, Portugieser

Besondere Attraktionen:

  • Blick auf die Weinlagen von Meddersheim
  • Blick vom Rotenfels, der höchsten Steilwand nördlich der Alpen
  • Freilichtmuseum Bad Sobernheim
  • Klosterruine Disibodenberg
  • Weinfeste an der Naheweinstraße


Pfalz: Wo die Superlative zu Hause sind

Die Pfalz ist das zweitgrößte Weinanbaugebiet Deutschlands, das westlich von Worms beginnt und sich entlang des Haardtgebirges bis hin zur französischen Grenze zieht. Die Nähe zu Frankreich ist überall zu spüren. Genuss steht auf der Tagesordnung weit oben: In der Pfalz wird viel gefeiert und gut gegessen. Bei Weinliebhabern punktet die Pfalz außerdem mit einer Menge Kultur und Geschichte. Schon im Mittelalter galt das Gebiet mit seinen vielfältigen Böden als Weinkeller des Heiligen Römischen Reichs. Und die Spuren lassen sich bis heute verfolgen. Die Pfalz ist das Weinanbaugebiet der Superlative: Das größte Weinfest, die erste Weinroute und der älteste Weinberg warten hier darauf, bestaunt zu werden.

Klima:
Mild, genügend Niederschläge und viele Sonnentage

Böden:
Kalkhaltige Lehm- und Tonböden, Buntsandstein, Mergel, Keuper, Muschelkalk, Granit-, Porphyr- und Schiefertoninseln

Rebsorten:
Riesling, Müller-Thurgau, Kerner, Silvaner, Weißer Burgunder, Grauer Burgunder, Dornfelder, Spätburgunder, Portugieser

Besondere Attraktionen:

  • Blick auf die Villa Ludwigshöhe
  • Pfälzer Keschdeweg
  • Weinstadt Deidesheim
  • Rhodt unter Rietburg, ältester noch betriebener Weinberg der Welt
  • Römervilla Weilberg, fast 2000 Jahre alte Kelteranlage
  • Römerwein in Speyer, der älteste erhaltene Traubenwein der Welt
  • Deutsche Weinstraße, die erste Weintouristik-Route der Welt
  • Größtes Weinfest der Welt in Dürkheim

Rheingau: Weinbau zwischen Klöstern und Schlössern

Bei Wiesbaden biegt der Rhein, der normalerweise in Richtung Norden verläuft, nach Westen ab. Schon 30 Kilometer später ändert er seine Richtung wieder nach Norden. Grund dafür ist das Rheingau-Gebirge, ein Taunus-Ausläufer, dem der Fluss ausweichen muss. Diese Biegung wird auch Rheinknie genannt. Dort, zwischen Wiesbaden und Lorch befindet sich das Weinanbaugebiet Rheingau, das heute als beliebte Reiseregion gilt. Klöster, Schlösser und andere Sehenswürdigkeiten säumen die Weinlandschaft und machen den Urlaub zu einem stimmungsvollen kulturhistorischen Erlebnis. Durch Zufall fand im Kloster Johannisberg die Spätlese ihren Ursprung. Da sich der Bote des Abts von Fulda im Jahr 1775 verspätete, um die Erlaubnis zur alljährlichen Weinlese zu verkünden, begannen die Trauben zu faulen. Beim Ausbau des Weins entdeckten die Mönche den Wert der Edelfäule.

Klima:
Warme Sommer und milde Winter, vom Taunus geschützt

Böden:
Schiefer, Quarzit, Lehm, Sandstein, tertiäre Mergelböden, tiefgründige und kalkhaltige Böden aus Löss, mittel- und tiefgründige Phyllitschiefer

Rebsorten:
Riesling, Spätburgunder

Besondere Attraktionen:

  • Blick von der Burgruine Scharfenstein
  • Rheingauer Riesling Route
  • Schloss Johannisberg bei Geisenheim
  • Kloster Eberbach bei Eltville
  • Historischer Weinverladekran der Weinstadt Oestrich-Winkel
  • Forschungsanstalt für Wein-, Obst- und Gartenbau in Geisenheim

Rheinhessen: Im Herzen der Anbaugebiete

Rheinhessen ist Deutschlands größtes Weinanbaugebiet. Es liegt zwischen Alzey, Worms, Mainz und Bingen. Nördlich und östlich wird es vom Rhein umschlossen – auf der anderen Seite des Flusses befinden sich der Rheingau und die Hessische Bergstraße. Im Westen grenzt das Gebiet an das Nahetal und im Süden an die Pfalz. Hier, im Herzen mehrerer Weinanbaugebiete, finden Winzer ideale Bedingungen vor. Sanfte Hügellandschaften bestimmen das Rebgebiet und die vielfältigen Bodenverhältnisse ermöglichen ein breites Spektrum an Weinen. Es werden nicht nur hervorragende Weiß- und Rotweine hergestellt. In den letzten Jahren ist auch eine regelrechte Sektkultur entstanden.

Klima:
Mildes Klima, Durchschnittstemperaturen, im Schutz von Odenwald, Taunus und Donnersberg

Böden:
Quarzit, Sand, Mergel, Löss, Ton, Porphyr, Kalkstein, Braunerde, Rotliegend

Rebsorten:
Riesling, Müller-Thurgau, Silvaner, Weißer Burgunder, Grauer Burgunder, Scheurebe, Dornfelder, Spätburgunder, Portugieser

Besondere Attraktionen:

  • Blick von der Winzeralm bei Siefersheim
  • Blick vom Brudersberg
  • Weinstadt Worms
  • Rundwanderweg Hiwweltour Heideblick
  • Kupferberg-Besucherzentrum in Mainz, tiefster Sektkeller der Welt
  • Niersteiner Glöck, älteste Weinbergslage Deutschlands


Saale-Unstrut: Das Nordlicht unter den Weinanbaugebieten

In den Flusstälern von Saale und Unstrut liegt das nördlichste Qualitätsweinanbaugebiet Deutschlands. Die Region ist geprägt von Steilterrassen, Trockenmauern und den typischen Weinbergshäuschen. Besucher finden ein gut ausgebautes Wegenetz vor. Sowohl zu Fuß, mit dem Rad als auch mit Kanu oder Schlauchboot lässt sich die Region bestens erkunden. So idyllisch das Gebiet ist, so schwierig sind auch die Bedingungen für den Weinanbau. Denn Saale-Unstrut gilt nicht nur als das nördlichste Weinanbaugebiet, sondern auch als eins der trockensten. Hinzu kommen tiefe Frostgrade im Winter und die Gefahr von Spätfrost im Frühling. Der Weinbau ist nur in geschützten Lagen möglich und Winzer müssen sich auf früh- bis mittelreife Sorten beschränken.

Klima:
Kontinental, wenig Niederschlag, teilweise kalte Winter und Spätfrostgefährdung

Böden:
Buntsandstein, Löss, Kupferschiefer, Muschelkalk

Rebsorten:
Müller-Thurgau, Weißer Burgunder, Silvaner, Riesling, Portugieser, Dornfelder

Besondere Attraktionen:

  • Blick vom Höhnstedter Kreisberg
  • Weinbergshäuser von Saale-Unstrut
  • Rotkäppchen Sektkellerei
  • Steinernes Bilderbuch bei Naumburg, in Europa einzigartiges Bildrelief

Sachsen: Heiße Sommer und strenge Winter

Sachsen ist das nordöstlichste Weinanbaugebiet in Deutschland. Von Pillnitz erstreckt es sich erlbwärts rund um Dresden über Radebeul und Meißen bis Diesbar-Seußlitz. Die besonders fruchtigen und frischen Weine, die an den Hängen des Elbtals wachsen, gelten teilweise als Raritäten. Vor allem der Goldriesling ist eine sächsische Spezialität, die in Deutschland einzigartig ist. Dresden, das Herz der Region, wird wegen des warmen Sommerklimas und der Lage am Fluss auch gerne das Elb-Florenz genannt. Im Winter und im Frühjahr ergeht es den Winzern allerdings ähnlich wie im Gebiet Saale-Unstrut. Kalte Temperaturen und Spätfrost können die Ernte gefährden.

Klima:
Mild und kontinental, mittlere Niederschläge, teilweise kalte Winter und Spätfrostgefährdung

Böden:
Lehm, Löss, Sandstein, Granit- und Granitporphyrverwitterungen

Rebsorten:
Riesling (Goldriesling), Müller-Thurgau, Weißer Burgunder, Grauer Burgunder, Traminer, Spätburgunder, Kerner

Besondere Attraktionen:

  • Proschwitzer Blick
  • Sächsische Weinstraße
  • Weingut Hoflößnitz
  • Staatsweingut Schloss Wackerbarth
  • Schloss Pillnitz (Königlicher Weinberg)
  • Porzellan- und Weinstadt Meißen

Württemberg: Rotwein vom Neckar

Das Weinanbaugebiet Württemberg erstreckt sich vom Taubergrund bis hin zum Bodensee. Das Weinzentrum der Region liegt breit gestreut um Stuttgart, Ludwigsburg und Heilbronn, wobei sich die meisten Weinberge in den Flusstälern des Necker und seiner Nebenflüsse befinden. Hier gibt es, anders als zum Beispiel in der Pfalz oder im Rheingau, keine riesigen, zusammenhängenden Rebflächen. Besucher können viele einzelne Weinbauinseln bestaunen. Nicht nur für das Auge, sondern auch für den Gaumen ist Württemberg eine Abwechslung: Denn von hier stammen Weine, die fast nirgends in Deutschland angebaut werden. Dazu gehören Trollinger, Schwarzriesling und Lemberger.

Klima:
Mild, durch Schwarzwald und Schwäbische Alb geschützt

Böden:
Verschiedene Kreuperböden, am mittleren Neckarraum Muschelkalkinseln

Rebsorten:
Trollinger, Riesling, Schwarzriesling, Lemberger, Spätburgunder, Kerner, Müller-Thurgau, Silvaner, Samtrot, Clevener

Besondere Attraktionen:

  • Blick von den Hessigheimer Felsengärten
  • Kessler in Esslingen, älteste Sektkellerei Deutschlands
  • Pfedelbacher Weinbaumuseum
  • Weingut Burg Hornberg, zweitältestes Weingut der Welt
  • Genossenschaftskellerei Heilbronn-Erlenbach-Weinsberg

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