Biowein vs. normaler Wein: Wo ist der Unterschied?

Bio-Produkte werden immer gefragter. Das gilt auch für Weine. Aber was genau unterscheidet Biowein eigentlich von einem herkömmlichen Wein? Ist ein edler Tropfen aus dem Bio-Anbau wirklich besser? Oder handelt es sich nur um einen Modetrend? Und sind Bioweine automatisch nachhaltig?

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  • 29.06.2019
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Weintrauben
© Bru-nO/pixabay.com

Lange Zeit wurde Biowein nicht wirklich ernst genommen – er wurde entweder belächelt oder scharf kritisiert. Und obwohl heute bereits 8 Prozent der deutschen Rebflächen dem ökologischen Anbau dienen, stehen viele Weintrinker dem Ganzen skeptisch gegenüber. Oft, weil sie gar nicht wissen, was es damit auf sich hat. Nur wenige können erklären, wann Weine ein Bio-Siegel erhalten und was das am Ende überhaupt für den Weintrinker bedeutet.

Drei Gründe für den Bio-Weinbau

Zunächst stellt sich die Frage, warum Winzer sich für den Bio-Weinbau entscheiden. Denn dieser ist nicht nur aufwendiger, sondern auch riskanter. Die Gefahr, dass die Ernte eines gesamten Jahrgangs verloren geht, ist weitaus größer als beim herkömmlichen Weinbau. Grundsätzlich gibt es aber drei Gründe, die dennoch dafür sprechen:

  • Gesundheit
  • Umweltschutz
  • Traubenqualität

Weinbau: Konventionell, ökologisch oder biodynamisch

Um den Unterschied zwischen Biowein und „normalem“ Wein zu verstehen, müssen zunächst die verschiedenen Formen des Weinbaus betrachtet werden.

So gibt es zum Beispiel den konventionellen Weinbau, aus dem die „normalen“ Weine hervorgehen. Hier sind fast alle künstlichen Mittel zum Düngen oder zur Schädlingsbekämpfung erlaubt. Gegen Pilzbefall werden zum Beispiel Fungizide eingesetzt, während Unkraut mit Herbiziden der Garaus gemacht wird.

Der ökologische Weinbau bzw. Bio-Weinbau unterscheidet sich davon, weil hier nur mit natürlichen Substanzen gespritzt wird. Oft wird fälschlicherweise angenommen, dass Bio-Winzer überhaupt nicht spritzen. Das stimmt so nicht. Teilweise müssen sie sogar häufiger spritzen als ihre konventionellen Kollegen. Allerdings verwenden sie natürliche Mittel, die nicht in die Pflanzen eindringen und somit auch keine Rückstände im Wein hinterlassen. Bio-Winzer dürfen hierzu auch Kupfer oder Schwefel verwenden, jedoch nur in geringem Maße.

Darüber hinaus wird beim Bio-Weinbau vorbeugende Arbeit geleistet, damit der Einsatz von umstrittenen Spritzmitteln gar nicht erst erforderlich wird. Dazu gehört zum Beispiel die intensive Laubpflege, um Krankheiten vorzubeugen. Auch die Bodenpflege erhält im Bio-Weinbau eine ganz besondere Bedeutung. Denn ein gesunder Boden bringt gesunde Reben hervor, die stark und widerstandsfähig sind. Um den Boden gesund und lebendig zu halten, wird deshalb Kompost verwendet. Anders als bei anderem Dünger nährt dieser nicht nur direkt die Pflanzen, sondern auch das Leben im Boden. Davon profitieren auch Nützlinge wie Würmer, bestimmte Bakterien oder Pilze, die sich positiv auf die Reben auswirken. Um das ökologische Umfeld auf dem Weinberg noch weiter zu stärken, wird dieser von Bio-Winzern in der Regel begrünt. Denn wenn verschiedene Pflanzen auf dem Weinberg wachsen, wird aus der sonst eher tristen und leblosen Monokultur eine lebendige und vielfältige Umgebung. Dies wirkt sich nicht nur positiv auf die Tier- und Umwelt aus, sondern auch auf den Weinbau. Der Boden profitiert, Schädlinge können leichter im Zaum gehalten werden, Nützlinge fühlen sich auf dem Weinberg wohl und Unkraut hat weniger Chancen, sich auszubreiten.

Lesen Sie auch: Zurück zu den Wurzeln: Bodenarten und ihr Einfluss auf den Wein

Der Bio-Weinbau ist damit deutlich aufwendiger als der konventionelle. Und er birgt auch mehr Risiken für den Winzer. Kommt es zum Beispiel zum Pilzbefall, kann der ganze Jahrgang schnell dahin sein. Winzer haben dann noch die Wahl, zu herkömmlichen Spritzmitteln zu greifen. In diesem Moment verlieren sie aber auch die Bio-Zertifizierung.

Noch höhere Anforderungen stellt der biodynamische Weinbau. Hierbei handelt es sich um eine Erweiterung des Bio-Weinbaus, in der der Weinberg noch mehr als lebender Organismus wahrgenommen wird. Der Winzer pflegt ihn so, dass er sich selbst auf möglichst natürliche Weise erhält. Dazu wird die Arbeit dem Rhythmus der Natur angepasst. Reben werden zum Beispiel nur dann geschnitten, wenn der Mond günstig steht oder nur zu bestimmten Tageszeiten gedüngt. Beim biodynamischen Weinbau kommen in der Regel Hornmist oder Hornkiesel zum Einsatz, die aus Kuhmist und Quarzmehl hergestellt werden.



Und im Weinkeller?

Obwohl die Biowein-Richtlinien sich vorrangig auf die Arbeit am Weinberg beziehen, gibt es auch für die Weinbereitung, die Gärung und den Ausbau im Keller bestimmte Regeln. Grundsätzlich sind weniger Eingriffe zur Schönung, Stabilisierung oder Klärung des Weins erlaubt. So dürfen zum Beispiel keine genetisch veränderte Hefe, Gelatine, Metaweinsäure, Rinderblut oder andere umstrittene Mittel eingesetzt werden.

Woran erkennt man einen Biowein?

Ob der edle Tropfen aus ökologischem Anbau stammt, erkennen Weintrinker am Etikett. Wenn hier ein entsprechendes Siegel vorhanden ist, handelt es sich um einen Biowein. Das Bio-EU-Siegel ist Pflicht. Jeder hier hergestellte Biowein muss den EU-Richtlinien des ökologischen Weinbaus entsprechen. Zusätzlich können Winzer sich von weiteren Bio-Verbänden zertifizieren lassen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • EcoVin
  • Bioland
  • Naturland
  • Demeter
  • Biodyvin

Rein geschmacklich kann einem ein Biowein genauso zusagen oder missfallen, wie jeder andere Wein auch. Es gibt sowohl gute als auch weniger gute Bioweine. Und am Ende bleibt es ohnehin Geschmackssache.

Nachhaltiger Weinbau: Mehr als nur „Bio“

Regional, bio, nachhaltig – diese Begriffe werden oft im gleichen Atemzug genannt oder als Synonyme verstanden. Wichtig zu wissen ist aber, dass sie keinesfalls das Gleiche meinen. Wer auf regionale Produkte setzt, unterstützt natürlich die lokalen Winzer und Landwirte und verhindert aufwendige Importe. Regionales Einkaufen ist in gewisser Weise also auch nachhaltig. Doch nur weil etwas aus der Region kommt, ist es nicht gleichzusetzen mit Produkten, die von Bio-Betrieben stammen. Und nur weil ein Betrieb über Bio-Siegel verfügt, bedeutet das nicht, dass er auch insgesamt nachhaltig arbeitet. Denn Bio-Betriebe werden nur nach ökologischen / umweltrelevanten Aspekten zertifiziert. Soziale und wirtschaftliche Aspekte bleiben dabei unberücksichtigt.

Diese Aspekte sind entscheidend für nachhaltigen Weinbau

Nachhaltigkeit ist im Trend. Auch der Weinbau und die Weinwirtschaft bekommen das immer mehr zu spüren. Viele Menschen orientieren sich bei der Auswahl ihres Weins daran, ob er nachhaltig hergestellt wurde. Doch was bedeutet das eigentlich konkret und woran erkennt man nachhaltigen Weinbau?

Weinbaubetriebe, die nachhaltig arbeiten, müssen dabei ihre gesamte Betriebsführung im Blick haben. Sowohl auf dem Weinberg als auch im Weinkeller, bei der Vermarktung und bei der Mitarbeiterführung muss das Thema Nachhaltigkeit eine Rolle spielen. Es gilt also, ökologische, ökonomische, soziale und kulturelle Aspekte vor einem nachhaltigen Hintergrund zu betrachten.



Nachhaltigkeit im Weinbau ist vielfältig

Im nachhaltigen Weinbau wird versucht, in allen Bereichen rund um die Herstellung von Wein möglichst ressourcenschonend zu arbeiten. Das bezieht sich nicht nur auf die Arbeit im Weinberg. Viele Arbeitsschritte und Abläufe müssen für den nachhaltigen Weinbau optimiert werden.

Außenbetrieb

Im Außenbetrieb, also hauptsächlich auf dem Weinberg, sollten Winzer vor allem auf die Biodiversität achten, wenn sie nachhaltig arbeiten wollen. Das bedeutet, dass sie neben ihrer klassischen Arbeit auch die Artenvielfalt im und um den Weinberg fördern sollten. Das gelingt zum Beispiel mit heimischen Pflanzen zwischen den Reben, Grünstreifen für Bienen und Schutzmaßnahmen für weitere Insekten und Nützlinge. Auch die Bodenbearbeitung spielt eine zentrale Rolle beim Thema Nachhaltigkeit. Sie sollte schonend erfolgen, um Nährstoffe und Bodenstruktur zu erhalten. Auch Maßnahmen zum Erosionsschutz sind angebracht, genauso wie das Düngen mit Kompost und der Verzicht auf chemische Pflanzenschutz- und Düngemittel.

Auch die Maschinen, die im Außenbetrieb eingesetzt werden, sollten nach Möglichkeit nachhaltig sein. Betriebe sollten ihren Kraftstoffverbrauch so gut es geht reduzieren, unnötige Wege einsparen und sich ggf. mit anderen Betrieben zusammentun, um nur selten genutzte Maschinen zu teilen.

Innenbetrieb

Auch im Innenbetrieb gibt es unzählige Aspekte, die nachhaltig optimiert werden können. Zum Innenbetrieb gehören zum Beispiel das Kelterhaus, der Weinkeller, das Lager, die Vinothek, das Büro und andere betriebliche Räume. Hier können Betriebe einiges erreichen, wenn sie zum Beispiel auf Ökostrom umsteigen, energiesparende Beleuchtung anbringen, Bewegungsmelder oder Zeitschaltuhren nutzen oder Stromfresser aussortieren und neue Geräte anschaffen. Auch das Heizen mit Rebholz ist eine nachhaltige Methode, um Energie zu sparen. Ebenso wie die Nutzung von Regen- oder Brunnenwasser oder die Stromerzeugung mit einer Photovoltaikanlage. Im Büro sollte so gut es geht auf Papier verzichtet werden. Alles was digital gelöst werden kann, sollte auch digital gelöst werden. Der Drucker sollte nur in bestimmten Ausnahmen laufen. Auch die Reinigung kann sparsam gestaltet werden, zum Beispiel, indem die Abläufe neu geregelt werden. Denn je eher gereinigt wird, desto weniger Wasser und Arbeit müssen investiert werden.

Verpackung und Versand

Vor allem bei der Abfüllung des Weins können Weinbetriebe ihre CO2-Bilanz deutlich verbessern. Denn Glasflaschen ziehen die Bilanz erheblich runter. Winzer sollten deshalb versuchen, so viel Glas wie möglich einzusparen. Das gelingt zum Beispiel durch die gezielte Herstellung dünnerer Flaschen oder aber durch Alternativen wie PET oder Bag-in-Box.

Auch Logistik und Spedition müssen bei einem nachhaltigen Gesamtkonzept mitziehen. Winzer sollten auf regionale Lieferanten zurückgreifen und/oder Speditionen auswählen, die selbst nachhaltig arbeiten. Auch die Versandverpackungen sollten umweltfreundlich sein.

Soziale Aspekte

Nachhaltigkeit dreht sich auch um soziale und kulturelle Themen. Eine nachhaltige Firma muss deshalb auch mit seinen Mitarbeitern ressourcenorientiert umgehen. Wichtig ist unter anderem eine gute Work-Life-Balance für die Angestellten. Faire Bezahlung und gute Arbeitsbedingungen sind Voraussetzung. Darüber hinaus sollten nachhaltige Betriebe auch auf eine vielfältige Belegschaft achten. Ältere Menschen sollten ebenso eine Chance erhalten wie Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund oder mit Behinderung.

Nachhaltige Betriebe können aber noch weitaus mehr soziales Engagement zeigen. So können sie zum Beispiel regionale Feste organisieren, Lehrveranstaltungen ins Leben rufen, sich ehrenamtlich engagieren, gute Zwecke sponsern oder Spendenaktionen durchführen.


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